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Gerd Breitenbürger
Allgemeinbildung in der Akademischen Welt Band 1
Geistes- und Naturwissenschaften

Taschenbuch Januar 2015
474 Seiten | ca. 15,5 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-86468-853-9


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Phantasie und Genauigkeit

Das wissenschaftliche Fragen beginnt nach langer Vorbereitung in Theologie, Philosophie und praktischer Naturerfahrung mit der Renaissance. Das Buch der Natur ist in Zahlen geschrieben, die Sterne, die noch zunächst nach astrologischer Sinngebung schicksalhaft interpretiert werden, werden in ihren Laufbahnen berechnet und verlieren mit der Zeit einen menschlichen Sinn. Eine neue, zukunftsträchtige Methodik entwickelt sich. Der menschliche Geist hat eine neue Dimension erreicht, eine an Theoriebildung orientierte und zu ihr zurückführende Beobachtung. Experiment und das Aufstellen von Formeln machen fortan der Theologie und Philosophie Konkurrenz. Das exakte Denken erschließt eine neue Welt, die zum größten Teil die unsrige geworden ist. Zu ihr gehören das Bilden von Konstrukten und die Simulation, die beides, Phantasie und wissenschaftliches Denken, voraussetzen.

Die Aufgabe der Wissenschaften besteht darin, Fragen zu stellen und Antworten zu finden, die unser Wissen erweitern. Sie bedienen sich dabei je nach Fach spezieller Begriffe und Methoden, die man auch ihre Instrumente nennen kann. Manches dieser Instrumente kann aber jedoch in mehreren Fächern verwendet werden. So sprechen wir von einer kosmischen, einer biologischen, anthropologischen oder kulturellen „Evolution“. Da möchte man wissen, was ist „Evolution“ eigentlich und seinem Wesen nach. Kann man diesen Begriff problemlos, wie hier, von Unbelebtem auf Belebtes übertragen? Wenn ja, ist es vermutlich nicht abwegig, fundamentale Strukturen
der Welt anzunehmen, die überhaupt dem Geist erlauben, von einer zusammenhängenden, von einer Welt zu sprechen.

Die naturwissenschaftlichen Hypothesen sind Vermutungen und auch erste, kurzgefasste Antworten auf unsere Fragen. Sie bewegen sich im Möglichkeitsraum, in dem sich die menschliche Phantasie frei bewegt, bis sie Halt in einer Theorie findet. Mit allen Theorien zusammen nähern wir uns einer einzigen Welt. Wir haben sie im Kopf und wir bewegen uns in ihr. Die „akademische Welt“ erschließt sich, soweit sie geistig erlebt wird, durch diese wesentlichen Bestimmungen. Sie ist eine lebendige Welt, da es in ihr Sicherheit und Ordnung nur um den Preis von Unsicherheit und Fragwürdigkeit gibt. Das gilt so für die naturwissenschaftliche Welt. Die des Geistes wird eher als Gegenwelt dazu gesehen: Luxurierende Phantasie, Emotion und Bildlichkeit, Sinn und Wesen, ästhetischer Genuss und Selbstgenuss sind aber Ergänzungen, die die exakten Wissenschaften nicht durch Überblendung verdunkeln, sondern durch Sinngebungen erhellen.
1 Die akademische Welt
Original oder Plagiat - Dies ist ein persönliches Buch. Ich habe es auch selbst geschrieben. Nun ja,da bin ich mir nicht ganz sicher. Einmal gibt es die anonymisierte, aber unverkennbare Mithilfe vieler Jahrhunderte und Jahrtausende mit schönen Gedanken und schönen Sätzen. Auch die Sprache ist ein altes Erbstück.
Alles in allem aber nichts gestohlen, das darf ich sagen, allerdings auch nicht alles selbst erfunden. Man nennt es, ob man will oder nicht, die unvermeidbare Tradition.Auf ihrem Hintergrund spielen sich Originalität ab, Kreativität und Phantasie.
verfasst von Bianca Flier am 15.09.2016:BewertungssternchenBewertungssternchenBewertungssternchenBewertungssternchenBewertungssternchen
Die Renaissance der Allgemeinbildung
Auf dieses Buch hat die akademische Welt lange warten müssen. Das Thema: Allgemeinbildung in der (aber nicht ausschließlich!) Akademischen Welt. Allgemeinbildung - dieser Terminus ist in unserer Zeit der hochspezialisierten Fachwissenschaften und der wie ein Tsunami täglich über uns hinwegspülenden Informationen, deren Haltbarkeitsdauer oft kürzer ist als die eines Joghurts, schon beinahe ein Anachronismus. Dabei war Allgemeinbildung gerade im deutschsprachigen Raum lange Zeit ein fester Bestandteil der Bildungskultur und fest verankert im so genannten Bildungsbürgertum. Doch auch das ist ein Begriff, der längst aus der Mode gekommen ist. Warum, so fragt sich mancher, sollte man sich auch mühsam Allgemeinbildung aneignen, wenn man per Google über Wikipedia alles, was es im Allgemeinen und im Besonderen zu wissen gibt, auf dem Silbertablett serviert bekommt? Schließlich sind wir nicht mehr im Mittelalter, als jeder Student sich die „Sieben freien Künste“ einpauken musste. Und ist nicht Spezialisierung die angesagte Art der Wissensaneignung in einer Zeit, in der sich die die Räder der Globalisierung und der IT-Standards immer schneller drehen?

Gleich ein ganzes Spektrum an faszinierenden Antworten auf solcherlei Fragen – und noch viele mehr - gibt der Freiburger Kulturhistoriker und Sprachwissenschaftler Gerd Breitenbürger in seinem zweibändigen Kompendium „Allgemeinbildung in der Akademischen Welt - Geistes- und Naturwissenschaften“. Komprimiert auf annähernd tausend Seiten, gefasst in einer eleganten, geschliffenen und doch für jedermann – oder sagen wir: für fast jedermann – verständlichen Sprache, legt der eloquente Sprachwissenschaftler mit rhetorisch geschärftem Skalpell die verborgenen Gefahren frei, welche die Vernachlässigung des Allgemeinbildung im Kulturkörper der Moderne hinterlassen könnten. Und obwohl ihm dabei ein gewisser Sarkasmus nicht abgeht, legt er auch gleich die notwendige Medizin bei. Sie besteht in einer Art „Theriak“ aus Anwendung von Verstand, Fantasie und Denkdisziplin. Kurz gesagt: Es handelt sich hier nicht um einen der vielen Ratgeber für Denkfaule, sondern um ein einzigartiges, inspirierendes, an Facetten unendliches reiches Werk zum Thema Bildung und Kultur. Und zwar einer Bildung & Kultur, die nicht nur auf den Verstand abzielt, sondern auch die auf die Herzensbildung.

Gleichzeitig ist das zweibändige Werk ein wunderbarer Führer nicht nur durch die Geistes- und Naturwissenschaften, sondern auch durch den Dschungel von Wörtern und Unwörtern, Kultur und Subkultur, politischer Korrektheit und Auflehnung gegen deren Diktat. Kein bequemes Sich-dranhängen an den Mainstream, sondern ein Plädoyer für die Individualität der Lernbegierigen. Denn dass wir alle – und das gilt auch für die Schule und den akademischen Betrieb - von gesellschaftlichen Trendsettern wie Internetforen, Printmedien, Facebook etc. täglich mit neuen Bremsbelägen bezüglich der ureigenen Meinungs-Bildung ausgestattet werden, kann nur jenen nicht auffallen, die bereits von Pokémon, Watts-App-Fieber und anderen Brot-und-Spiele-fürs-Volk-Inszenierungen weichgespült sind. Der Gebrauch politisch korrekter Euphemismen ist ebenso ein Indiz für diesen zeitgenössischen Virus wie der Glaube vieler daran, dass heutige Wissenschaft einfach „alles können muss“. Ein Glaube, den ein einziger kritischer Blick auf die Geschichte zunichtemachen könnte, wenn man denn aus der Geschichte lernen wollte.

Gerd Breitenbürgers packendes Credo für die umfassende Allgemeinbildung soll vor allem jene ansprechen, die noch zu unterscheiden vermögen zwischen Information und Wissen, Bildung und bloßem Know-how. Sein interdisziplinärer Ansatz führt im Grunde nur aus, was Albert Einstein mit dem lapidaren Satz statierte: „Wer nur Physik versteht, versteht auch diese nicht.“

„Bildung in der Akademischen Welt“ ist ein Kompendium des Wissens und Meta-Wissens und zugleich eine Streitschrift, die in der Kalligraphie des Floretts verfasst ist und nur selten zur sprachlichen Streitaxt greift. Und gleichzeitig besitzt das Werk den Suspense eines Thrillers, denn es bricht mit Verve eine Lanze für Neugier und Wissensdurst, die sich nicht nur an der ökonomischen Notwendigkeit orientieren, sondern an der unbegrenzten Fantasie und Kreativität der nach Wissen Strebenden. Ein Werk, das man am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte, oder besser gesagt: das man immer wieder in die Hand nehmen möchte.

Ein besonderer Clou sind die Cover-Illustrationen von Tomi Ungerer: Im wahrsten Sinne des Wortes ein „Mordsvergnügen“ und ein echter Hingucker. Einen weiteren Reiz des zweibändigen Werkes machen die unkonventionellen Kapitelüberschriften aus. Nicht die staubtrockene Struktur, die man von einem wissenschaftlichen Werk erwarten würde, sondern eher eine labyrinthische und sehr fantasievolle Herausforderung an den Leser. Alleine diese herrlichen Überschriften zu überfliegen, ist schon ein Lesespaß für sich.

Fazit: „Allgemeinbildung in der Akademischen Welt – Geistes- und Naturwissenschaften“ füllt ein Schwarzes Loch in der astronomischen Unübersichtlichkeit des heutigen Wissensbetriebs. In der Kurzversion: Bildung ist eben mehr als Wissen. Ein Muss für Studenten und fertige (durchaus zweideutig gemeint!) Akademiker ebenso wie für Autodidakten. Mit anderen Worten: Eine Leseempfehlung für ALLE, die Bildung – Allgemeinbildung - nicht als eine Art Wissensindustrie betrachten, sondern als genussvolles „Savoire Vivre“ und intensive Lebensbereicherung.


Bianca Flier

verfasst von M.B. am 20.02.2015:BewertungssternchenBewertungssternchenBewertungssternchenBewertungssternchenBewertungssternchen
Endlich ein Buch über Allgemeinbildung, das nicht nur auf die sture Anhäufung von Fakten abzielt! Sondern u.a. durch Erläuterungen und umfassende Darstellung von Zusammenhängen und Systematiken eine eigene Herangehensweise ermöglicht, ja sogar einfordert! Das Buch mit der treffend ausgesuchten Illustration von Ungerer macht zuerst neugierig, dann süchtig!

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