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Elisabeth Nell
Gereimtes & Ungereimtes


Taschenbuch Juni 2019
170 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-96014-575-2


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Gereimtes und Ungereimtes bringt in lockerer Folge, sowohl in artikulierten Reimen als auch in anregenden, verwunderlichen und seltsamen Geschichten, wie sich die Tage durch das Jahr arrangieren könnten bzw. werden.
Vorhergesehenes trifft selten ein!
Unsere Vorstellungen sind Wünsche! Wünsche sind Träume! Wie auch immer, sie sind überschattet oder bleiben im Dunkeln.
Wir dürfen außerdem die Tücken nicht vergessen! Sie sind fester Bestandteil der Zeit!
Wen die Neugierde plagt, sollte mit dem Blättern beginnen.
Schmökern fesselt!
Seite 43-45 aus dem „Blauen Kuckuck“

„Ich werde morgen eingreifen“, sagt Lucie und verschwindet im Haus.
Gegen halb vier fährt Amy das Auto aus der Garage. Helen und Lucie mit Geschenken bewaffnet, schließen das Garagentor, steigen ins Auto und los geht die Fahrt.
„Warum hast du gelbe Rosen besorgt? Oma liebt doch Margeriten.“
„Früher liebte sie auch gelbe Rosen. Als sie noch daheim war, hatte sie sich vom Gärtner ein Beet am Zaun damit bepflanzen lassen. Erinnert ihr euch nicht mehr daran? Irgendwann waren sie von Mehltau befallen und seitdem waren die gelben Rosen out.“
Sie fahren vor dem Seniorenheim vor und wundern sich über die Menge der parkenden Autos.
„Findet heute was Besonderes statt, Mutti?“
„Nicht dass ich wüsste, aber ich weiß auch nicht alles. Gehen wir mal rein, dann werden wir mehr erfahren.“
Amy drückt die Türe auf, der Flur ist belebt, Jung und Alt unterhält sich. Sie gehen die Treppe hoch, da Oma im ersten Stock ihre kleine Wohnung hat. Sie klopfen an, aber alles bleibt still. Helen drückt auf die Klinke, die Türe geht auf und niemand ist im Raum.
„Nanu, wo hat sie sich versteckt?“
Helen klingt die Schlafzimmertüre auf und staunt, dass auch das Zimmer leer ist. Amy sucht in der Küche nach einer Blumenvase, Lucie ist zum Badezimmer gegangen, aber Oma ist nicht in ihrer Wohnung.
„Wo kann sie denn nur hingegangen sein?“
„Vielleicht ist sie gerufen worden“, meint Lucie, „das ist doch möglich.“
Helen nimmt ihr Handy und ruft die Zentrale des Hauses an. Es dauert wenige Sekunden und Frau Hohenbergler meldet sich. „Ja“, sagt sie, „Ihre Mutter hat Besuch. Sie sitzt im Moment mit einem Herrn im Entree zusammen. Ich schlage Ihnen vor, kommen Sie hierher Frau Marbach, bis gleich.“
„Und, wo ist sie, unsere liebe Oma?“
„Ihr werdet es nicht glauben, sie hat Herrenbesuch.“
„Herrenbesuch? Von wem? Ist der Herr Bürgermeister zu Besuch und gratuliert?“
„Kommt Kinder“, sagt Helen, „wir schauen uns das an. Unsere Oma ist noch attraktiv.“
Sie zwirbeln ihre Kleidung zurecht, werfen einen Blick in den mannshohen Spiegel im Schlafzimmer und eilen zum Entree. Helen trifft unterwegs Bekannte, redet ein paar Worte, sagt sie muss weiter, entschuldigt sich. Als sie um die Ecke des Flures steuern, sieht sie ihre Mutter im gegenüberliegenden Raum mit einem schmucken graugescheitelten Herrn in gepflegtem Outfit.
Helen voran, Amy und Lucie hinterher, treten durch die offene Türe und…
„Kinder, da seid ihr ja, …“ Oma ist aufgestanden, mit ausgebreiteten Armen drückt sie die drei Neuankömmlinge an sich. Es ist eine herzliche Begrüßung. Sie stehen mit lächelnden Gesichtern, die Köpfe zueinander gebeugt, beieinander.
„Schaut mal, wer mich heute aufgesucht hat, schaut, ihr kennt ihn doch noch?“
Sie befreien sich, blicken den ihnen fremden Herrn an und als er „hallo“, sagt, ist das Zögern in Helens Miene verschwunden.
„Hansi“, ruft Helen, „dass ichs nicht glaube, du lebst noch? Wo warst du all die Jahre? Mein Gott, Hansi…“
Amy und Lucie sind etwas reservierter…
„Kinder“, sagt er und kommt auf sie zu, „seid ihr es wirklich? Ihr könnt euch sicher nicht mehr erinnern, es sind fast 20 Jahre her, dass ich nach Afrika reiste…“
„Afrika“, flüstert Lucie, „ist denn Afrika so begehrt gewesen? Heute flüchten die Afrikaner nach Germany.“
„Setzt euch doch“, verlangt Oma, „wir können uns Zeit lassen und klären, was, wann, wie geschah.“
Sessel werden hin und her gerückt, Hansi soll der Mittelpunkt sein „aber auch du, Oma, bitte setz dich zu mir, bitte…“, murmelt Amy.
Und nun sitzen sie zusammen, der übrige Raum wird beherrscht von ihnen allen. Alle Augen sind auf sie gerichtet, denn es ist wirklich eine amüsante Gesellschaft. Der genannte Hansi trägt ein senfgelbes Jackett mit apfelgrüner Hose, ein senfgelbschwarz-gestreiftes Hemd, die Haare sind voll und exakt gescheitelt. Er hat ein zutrauliches, nettes entspanntes Gesicht eines zufriedenen Menschen. Lachen ist ihm, das sieht man auf den ersten Blick, lebensbedingt notwendig. Er spricht impulsiv, temperamentvoll, man möchte leidenschaftlich sagen. Seine Munterkeit ist ansteckend.
„Nun erzähl mal“, sagt Helen zu ihm, „ich bin schier neugierig, wo du dich herumgetrieben hast. Wieso haben wir nichts mehr von dir gehört? Merkwürdig ist, dass ich dich glatt vergessen habe. Ehrlich, glatt vergessen. Naja die Kinder, Kurt, das Leben insgesamt war abwechslungsreich, nicht wahr Mutter?“
„Eure Mutter oder Oma hat mich sicher nicht vergessen all die Jahre, stimmts Juliane?“

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