Shop / Bücher / Romane
Elisabeth Nell
Die Schuldigen


Taschenbuch April 2018
162 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-96014-424-3


Print-Ausgabe in den Warenkorb
€ 15.90 *
zzgl. Versandkosten

Zukunftsvisionen beflügeln. Pläne werden durchdacht und miteinander geschmiedet. Wer entscheidende Momente verpasst, darf sich über die Konkurrenz nicht wundern. Der Neid streckt ebenfalls seine Klauen aus. Tücken schlafen nie…
In der Monotonie der Alltäglichkeit sind Dreistigkeit und Unverfrorenheit zuhause.
Wer „Eselsbrücken“ überwindet, Hindernisse und Engpässe frühzeitig erkennt, „kann“ im Vorteil sein!
Wer Toleranz auf den Vormarsch hievt, ist ein Held! Wer einen wohlklingenden Ton anschlägt, leistet Genugtuung! Denn: „Der Ton macht die Musik!“
Geduld ist ein Partner, der das Miteinander mit Besonnenheit und Humor begleitet. Wir sollten bedenken, dass nur im Miteinander Frieden und Freiheit bewahrt sind.
Schmökern beschwichtigt die „Neugier…! Blättern Sie los…
Verlorene Ehre
Zeitpunkt: Die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts

Hajo, 12 Jahre und seine 5 Jahre jüngere Schwester Etta Poser, kommen aus der Schule heim und ihre Mama ist, wie fast jeden Tag, unterwegs in der Nachbarschaft. Etta, die Siebenjährige, will ihrer Mutter das bemalte Ei zeigen. Sie hat es heute früh in der Malstunde mit bunten Farben bemalt. „Mama, Mama“, schreit sie schon vor der Haustüre, aber ihre Mutter ist abwesend.
Die Haustüre, die nie abgeschlossen wird, hat Hajo, der auf dem Nachhauseweg vorgerannt ist, aufgedrückt. Um seiner Mutter klar zu machen, dass er zuhause ist, gibt er der Haustüre jeden Tag einen Tritt, dass sie zuknallt. Anschließend pfeift er auf 2 Fingern. Das beherrscht er sagenhaft. Die Buben in seiner Klasse beneiden ihn darum.
Er hat genauso wenig Erfolg mit seinem Gelärm wie Etta. Er geht weiter in die Küche und wirft seinen Ranzen auf die Bank, die hinter dem Tisch an der Wand steht. Auf dem Herd steht weder der Suppentopf noch die weiß-blaue blecherne Kaffeekanne. Nichts steht auf der Herdplatte, die von dem gestrigen Kochen ungewöhnlich bekleckert ist. Hajo hat nach der Schule mittags Hunger wie alle Tage. Er öffnet das Brotfach im Küchenschrank, nimmt die Brothälfte heraus; greift nach dem großen Messer, das am Haken an der Wand hängt und schneidet sich eine dicke Scheibe ab. Er beißt sofort hinein, legt die Brothälfte auf den Tisch und rennt hinaus auf den Hof.
Etta hat ihren Ranzen im Flur abgelegt und ist auf und davon. Die Haustüre steht auf und Hajo sitzt auf der Treppe davor. Eben schlägt die Kapellenuhr einmal und jeder in Eringsfeld weiß: Es ist Mittagszeit, halb eins.
Hajo fragt sich, wo die Mutter wohl heute unterwegs ist? Gestern war sie bei Agnes Papke. Als er am offenen Fenster vorbeiging, hörte er sie reden und rief: „Mama, wann kochst du endlich mal Suppe für uns? Etta sitzt auf der Treppe und heult, komm heim…“
Wie er so überlegt, sieht er sie aus dem Haus von Selma Pforr kommen. „Mama“, ruft er ihr zu, „gehst du jetzt nach Hause? Ich habe Hunger wie ein Bär. Du kochst doch jetzt was für uns oder?“
So läuft das fast jeden Tag ab. Wenn Vater nachmittags gegen 15.00 von der Grube kommt, steht auf dem Tisch allerdings ein Topf mit Kartoffel- oder Graupensuppe. Manchmal hat sie sogar Kartoffelpuffer gebacken, aber das ist schon die große Ausnahme. Mutter ist gesprächig mit jedermann. Kochen…, na ja, sie muss ja…
Oma nahm das Kochen ernster. Sie sorgte täglich für eine warme Mahlzeit. Damit verwöhnte sie ihre Tochter. Nun hat Oma sich davongemacht. Ich sage einfach, sie ist tot. Vielleicht guckt sie auch von hoch oben zu und wundert sich…
Henriette Poser weiß, dass ihr Mann Herwig großen Appetit hat. Er verlässt jeden Morgen um 4.30 Uhr das Bett, denn er muss um 6.00 Uhr seine Arbeit in der Grube beginnen. Bis zur Arbeitsaufnahme hat er eine halbe Stunde Fußmarsch zu bewältigen. Für die Pause, die ihm zur Verfügung steht, nimmt er sich täglich einen Kanten Brot, dazu ein Stück Blut- oder Leberwurst mit.
Wenn im Herbst die Wurst vom geschlachteten Schwein vom Vorjahr alle ist, schmiert er sich Quark auf sein Brot. Das ist karge Kost für schwere Arbeit unter Tage.
Jetzt im Sommer kommt Herwig Poser häufig erst gegen 16.00 Uhr nach Hause. Im Sommer reifen die Himbeeren, an denen er täglich auf seinem Weg zur Grube vorbeikommt. Er hat an einer dicken Schnur, die er sich immer um die Taille bindet, die Blechkanne hängen. Morgens ist sie mit Pfefferminztee gefüllt. Leer trägt er sie nicht heim, nein, er nimmt sich nach der Grubenarbeit Zeit und pflückt die herrlich gereiften Himbeeren ab. Henriette weiß Bescheid und kocht Marmelade davon. Darüber freuen sich die Kinder.
Letzte Woche hat sie Himbeersaft zubereitet und die Flaschen in den leeren, kalten Herdschrank im Wohnzimmer gestellt. Sie muss sie noch mit einem Leinenläppchen zubinden. Das ist eine Arbeit, die sie gerne bei Regenwetter nachholt.
Vor 8 Tagen, als sie schlimmen Durst hatte und gerade im Zimmer war, nahm sie sich eine Flasche aus dem offenen Herdschrank und trank daraus. „Oh Gott“, sie stellt die Flasche schnell ab, eine Wespe saß im Flaschenhals und stach zu… Sie kann sich gerade auf einen Stuhl retten, sie ringt nach Atem, steht eilig auf, rennt vor die Haustüre, fuchtelt mit den Händen… Die Nachbarin wird aufmerksam. Käthchen vom Nachbarhaus ahnt, was geschehen ist und rennt zur Apotheke. Sie stottert was passiert ist und der Herr Apotheker muss handeln.
Das sind Momente, wo überlegt und nachgedacht werden muss, wo Hilfe sofort gebraucht wird, wenn der andere fast im Koma liegt…
Henriette ist lebenserfahren. Das Schicksal hat sie auch diesmal lediglich „gewarnt“. Den Kindern hat sie strengstens verboten, an den Ofenschrank zu gehen und sie selbst…
[…]



Der verpasste Moment

Wilfried Borgstede und Ilse Reymann sind Einzelkinder. Ihr Geburtsort ist Blumenau. Im Kindergarten haben sie sich kennengelernt, als sie im Sandkasten spielten. In der Volksschule festigt sich ihre Kinder-Freundschaft. Danach wechseln sie zum Gymnasium, das sie mit dem Abitur verlassen.
Sie verlieren sich nicht aus den Augen. Bleiben sich freundschaftlich verbunden. Wilfried will Mediziner werden, studiert in Gießen und Marburg. Er geht für 1 Jahr nach Amerika. In seinen Ferien lernt er Afrika kennen und gleichwohl die ärmlichen Verhältnisse in Kenia. Ilse wählt den Beruf der Goldschmiedin.
Als Wilfried die beklemmenden Bedingungen in Kenia wahrnimmt, schreibt er herzzerreißende Briefe nach Hause. Ilse entscheidet sich für einen „Erste Hilfe Kurs beim DRK“ und fliegt nach Kenia. Sie ist erschüttert wie er, bewirbt sich um eine Anstellung und hilft nach besten Kräften mit.
Die Gemeinsamkeiten schweißen zusammen. Sie werden sozusagen: Ein Herz & eine Seele. Sie sind jung. Sie lernen die Extreme des Alltags im afrikanischen Leben, also „außerhalb“ Europas, kennen. Der europäische Alltag ähnelt in keinster Weise dem afrikanischen. Sie spüren die nackte Wirklichkeit pur.
Ein Jahr später kommen sie zurück nach Blumenau. Was sie erlebt haben, behalten sie für sich. Hier in der alten, gepflegten Ordnung und Umgebung gelten andere Gesetzmäßigkeiten. Wilfried hat seinen Doktortitel erworben und richtet sich seine Praxis im Stadtzentrum ein.
Ilse entscheidet sich ebenfalls zur Selbständigkeit. Sie beschließt, ihr Geschäft in einem Neubau mitten in der City einzurichten.
Sie heiraten und laden alle dazu ein, die ihnen während ihres bisherigen Lebens, vom Kindergarten bis heute, nahestehen. Es wird eine große Hochzeitsfeier, ca. 100 Personen an der Zahl, die im hiesigen Lokal „Bergmann“ stattfindet. Eine 3-Mann-Kapelle spielt zum Tanz auf.
Sie erleben einen modernen, gehobenen Status. Sie verkehren mit Persönlichkeiten. Sie reden mit. Wilfried kann nicht klagen, er hat Personal eingestellt, die Apparatur für Röntgenbilder wird gebraucht. Seine Praxis wird gut besucht. Hausbesuche macht er lediglich bei Privatpatienten.
Ilse ist eine ideenreiche Schmiedin für Schmuckgegenstände. Nicht nur Broschen, Ringe und Ketten, auch Tisch- oder Wandschmuck entwirft sie auf interessante Art. Ihr Geschäft ist exklusiv zu nennen. Sie inseriert in Hochglanzbroschüren. Sowohl Verkaufspersonal als auch ausgebildete Designerinnen hat sie eingestellt.
An Ausstellungen nimmt sie teil. Bei Festlichkeiten im städtischen Rahmen ist sie die begehrte Adresse. Gottseidank sind die Zeiten friedlich; die Bevölkerungsschichten haben Anteil an Vergnügungen jeder Art.
Eigentlich hat sich Ilse Kinder gewünscht, aber ihre Geschäftigkeit ist pausenlos. Kommt ihre Mutter zu Besuch, das ist nicht allzu oft, erinnert sie ihre Tochter ungeduldig an das Familienleben. „Du wirst älter und älter und eines Tages, mein liebes Kind, hast du den Moment verpasst. Daran muss ich dich erinnern…“
Ihr Vater hat sich letztes Jahr davongemacht. Nach einem Schlaganfall war jede Dynamik aus seinem Körper gewichen.
[…]



Die Ungarn-Reise

[…]
„Liebe Lotte, ich bin sprachlos. Als ich von Hamburg zurückgekommen bin, hatte ich ja keine Ahnung wo du steckst. Ich habe mehrmals angerufen. Ich war bei deinem Haus. Habe die Nachbarn gefragt, aber die konnten mir nicht viel sagen. Du bist ja eine Verschwiegene.“
„Weißt du, Annegret, wenn ich denen erzähle, ich besuche Marlis, werden sie hellwach und neidisch.“
„Meinst du wirklich neidisch?“
„Na du kennst sie doch von früher. Glaube nicht, dass sie sich verändert haben. Übrigens was bedeutet dir „Gregoristik?“
„Gregoristik? Habe ich noch nie gehört.“
„Das hatte ich mir beinahe gedacht; aber ich bin froh dass du fragst, das ist ein Zeichen, dass du nicht auf Suche gehen willst…“
„Na höre mal…“
„Nu sei nicht beleidigt, schließlich fragt nicht jeder.“
„Und, was ist Gregoristik? Du musst ja Bescheid wissen, also…“
„Gregoristik heißt für mich: „Gefunden.“
„Und…, hast du was gefunden?“
„Das kann ich wohl sagen…“
„Das ist ja spannend. Das muss etwas tiefgreifendes sein!
Du machst mich neugierig, merkst du?“
„Ich erzähle dir jetzt etwas, das du nie und nimmer geahnt hättest: Ein Intermezzo; wahrhaftig das Intermezzo meines bis dahin farblosen Lebens. Wir sitzen eines Abends im Speisesaal des Kurhauses beim Essen und unterhalten uns. An diesem Tag hatten wir eine Erkundungsfahrt zu Kirchen und alten Schlössern, die zum Teil noch von den Angehörigen selbst bewohnt sind, unternommen. Wir waren viel gelaufen, Treppen rauf und runter gegangen bei strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen, das macht malad. Wir sitzen seit etwa einer Dreiviertelstunde im Restaurant und genießen das Ausruhen. Das Büffet ist an diesem Abend echt ungarisch zusammengestellt. Sowohl die Vorspeisen als auch das Hauptgericht und die Desserts. Der Koch lässt sich immer wieder Delikates einfallen.
Marlis sagt: „Mutter, vom Nebentisch betrachtet dich unentwegt ein Mann; er sitzt am Kopfende ganz links. Er sieht sympathisch aus, hat weißes langes Haar. Man sieht und denkt: Er ist ein besonderer Mensch.“

1 2 3 4 5

SPAM-Schutz:
Bitte kreuzen Sie das Kästchen an.


 ¹ Diese Felder müssen ausgefüllt werden
 ² 1 ist die niedrigste, 5 die höchste Bewertung
Für diesen Artikel ist noch keine Presse / PR vorhanden.



Code eingeben:


 ¹ Diese Felder müssen ausgefüllt werden
* Alle Preise inkl. der gesetzlichen Mehrwertsteuer (gilt für Bestellungen aus Deutschland und Österreich)
weitere Artikel von Elisabeth Nell
Elisabeth Nell
Die nackte Wirklichkeit
September 2017
Taschenbuch
€ 15.90
Elisabeth Nell
Wenn das Leben Fahrt gewinnt
Juli 2018
Taschenbuch
€ 14.90
Elisabeth Nell
Sonntags gingen wir spazieren
Oktober 2018
Taschenbuch
€ 15.90