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Hannes Lange
Weißes Gold und Eierschecke
Humorvoller Bericht einer unglaublichen Sachsenreise

Taschenbuch September 2011
370 Seiten | ca. 12,0 x 19,0 cm
ISBN: 978-3-943048-79-7


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„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben…“

Reisen ist bekanntlich eine schöne und erholsame, auf jeden Fall aber interessante und abwechslungsreiche Freizeitgestaltung. Nicht umsonst heißt es im Volksmund: „Reisen bildet“. Also auf nach Kursachsen, der ehemaligen Heimat einen Besuch abstatten. Urlaub einreichen, Pension buchen, Koffer packen – nichts kann uns mehr aufhalten. Oder doch?
Wenn da nicht plötzlich unangemeldeter Besuch erscheinen würde. Ausgerechnet jetzt – wer ist das?
Wer?
Nein, das ist doch gar nicht möglich! Undmitfahren möchte der dicke Kerl auch noch? Na, das kann ja heiter werden.
Ich kann Ihnen versichern, es ist heiter geworden…
Gibt es in unserer heutigen modernen Zeit noch Wunder?
Ja- ganz eindeutig! Man muss sich nur erkennen. Wer mit offenen Augen und Ohren durchs Leben marschiert, bekommt allerhand mit. Aber wer dabei noch sein Herz öffnet, der wird …

Erleben – Genießen – und…Lachen natürlich!
Für Von Quarkkeulchen und Leuchttürmen

„Die heit´re Welt der Wunder ist´s allein, die dem entzückten Herzen Antwort gibt.“
(Friedrich von Schiller)

Auf dem Tresen der Rezeption steht ein dezentes, aber dennoch gut sichtbares Schild:
„Im Hubertuszimmer heute geschlossene Gesellschaft.“
Wir wollen da nicht hinein, uns steht der Sinn nach einem guten Tisch im „Churfürstenzimmer“, also schenken wir dem Schild keinerlei Beachtung, nur Martina ist wieder einmal neugierig. Der nette Ober, der uns an der Rezeption in Empfang nimmt und zum Tisch geleitet, gibt redselig Auskunft:
„Da is eene Hochzeit drinne.“
Hochzeit – Brautkleid, zwei Begriffe, die jede einigermaßen normale Frau in Wissensdurst (oder soll ich lieber „rasende Neugier“ sagen?) versetzt. Das ist bei der allerbesten Ehefrau von allen nicht anders. Kaum haben wir Platz genommen, als sich Martina erhebt und – nach einem suchenden Blick auf einen kleinen Hinweis zu der bewussten Örtlichkeit – eiligen und zielstrebigen Schrittes zur Toilette enteilt. Zufällig liegt diese genau in Richtung Hubertuszimmer, und es müsste mit dem Teufel zugehen, würde sie nicht wenigstens einen klitze-kleinen (rein zufälligen natürlich ...) Blick auf die Braut und das so überaus interessante Kleid werfen. So sind die Frauen halt, da kann „Mann“ nichts, aber auch gar nichts dagegen unternehmen. Das war schon zu Zeiten von Adam und Eva so, selbst da, vor so vielen tau-send Jahren und als alleinige Vertreterin ihres Geschlechtes, ersann sie erste Modedesigns, wenn auch nur mit Feigenblättern.
Armer Adam, kann man da nur sagen!
Was mich nur wundert an dieser ganzen Situation, auch August erhebt sich wenige Augenblicke nach dem eiligen Abflug meiner holden Gattin und schlägt die gleiche Richtung ein. Sollte der ebenfalls ein Konfirmandenbläschen haben oder aber, für einen Mann viiiiieeeel schlimmer, etwa gar neugierig sein?
Potztausend, der Sache gehe ich nun aber auf den Grund – man will doch schließlich wissen, was so läuft, oder?
Euer hämisches Feixen könnt ihr getrost stecken lassen, denn was jetzt kommt, könnt auch ihr euch keinesfalls ausdenken.
Das muss man erlebt haben.
Ich „hetze“ also gemessenen Schrittes den beiden Tisch- und Fahnen-flüchtigen hinterher, da sehe ich Martina auch schon an der offenen Eingangstür zum Hubertuszimmer stehen. Der Glanz in ihren Augen verrät es – sie fühlt sich wohl, ihre Wissbegier ist gestillt und das wundervolle Kleid der glücklichen Braut hat vor ihren kritischen Augen Gnade und Anerkennung gefunden.
Aber wo ist August?
Auf der Toilette jedenfalls war er nicht, da habe ich kurz nachgesehen.
Hinter mir höre ich Schritte und Stimmen:
„ ...Ihro königliche Majestät sehen superb aus, geradezu wundervoll, erlauchtigster Kurfürst, wenn ich das so sagen darf ...“
„Er darf, mein Bester, er darf.“
August steht da, in seinem vollen Prunkornat, ein Bild von einem barocken Monarchen. Edelsteine und Goldbrokat zieren seinen Rock, seine stattlichen Waden stecken in Seidenstrümpfen feinster Qualität, selbst an den Schnallenschuhen glitzern und funkeln Diamanten. Sein Kavaliersdegen taugt eher fürs Museum als zum Kämpfen. Das der Kerl noch seine Finger bewegen kann ob der stattlichen Anzahl herrlicher Ringe grenzt nahezu an ein Wunder.
„August, warten Sie noch einem kleinen Moment, ich muss erst noch schnell die CD starten.“
„Momentchen“, sagt August; „zeigt einmal die Scheibe her ...“
Er nimmt dem Herrn im festlichen Anzug die CD aus der Hand und liest die Coverrückseite.
„Ne, mei Gudsder, da wird nischt draus, Musik von Vivaldi ist zwar auch ganz nett, aber zu meinem Einzug völlig unangebracht. Wenn ich den Saal betrete, dann muss es mit dem eigens für solche Anlässe komponierten „Königlich Polnischen und Kurfürstlich Sächsischen Tafelsignal“ für Solotrompete sein. Nur damit kann ich meiner höchsten Stellung gemäß angekündigt und mein huldvolles Erscheinen musikalisch festlich untermalt werden. Punktum!“
Der (vermutliche) Restaurantleiter oder auch Hotelchef grinst, nimmt August mit einem verständnisvollen Augenzwinkern die Platte aus der Hand, legt sie ein und dreht den Lautstärkeregler voll auf. Im Saal er-starren die Gespräche. Der „Pinguin“ reißt die große Flügeltür auf, betritt den Saal und klatscht dreimal in die Hände ...
„Unser allergnädigster Kurfürst und huldvollster Herrscher, Friedrich August der Starke, gibt Ihnen die Ehre ...“
Seine letzten Worte gehen im „Ohh“ und „Ahh“ der zahlreichen Gäste unter. Martina hat sich ebenfalls in den Saal gemogelt und steht neben der Eingangstür zwischen neugierigen Bedienungen.
Ich geselle mich dazu, nein, nicht etwa aus Neugier, wie ihr glaubt, einer muß doch die Kontrolle behalten, damit August nicht aus dem Rahmen fällt.
Glanzvoll ist der Handkuss, mit dem er die Braut begrüßt und be-glückwünscht.
Glanzvoll und in wunderbar formvollendetem Sächsisch ist seine kurze Ansprache.
Glanzvoll sind Verbeugung und Schritte zur Saalmitte, wo der Monarch den Tanz mit der Braut eröffnet – quasi als abgeschwächte Form des damals noch durchaus üblichen „Rechtes der ersten Nacht“.
Gekonnt tanzt er die junge, hübsche Frau in die Arme ihres nunmehrigen Ehegatten, zückt ein mit Spitzen besetztes Seidentüchlein aus seinem Ärmelaufschlag und tupft sich einige kleine Schweißtröpfchen von der königlichen Stirn. Dann sitzt er als Ehrengast in einem bereitgestellten prunkvollen Sessel und lässt seinen gnädigen Blick majestätisch über seine Untertanen schweifen.
Nachdem der Tanz zu Ende ist und die Gäste wieder Platz genommen haben, erhebt er sich erneut und schreitet zur Mitte des Saales. Sofort verstummt das angeregte Geplauder.
Würdevoll beginnt Kurfürst Friedrich August I. zu sprechen:
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