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Joachim Steudel
Traum oder wahres Leben
Band 2: Gifuto - Das Geschenk

Taschenbuch April 2014
538 Seiten | ca. 12,0 x 19,0 cm
ISBN: 978-3-86468-702-0


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Gifuto – Das Geschenk
Die Welt der Samurai ist zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts im Umbruch. Viele verlieren den Sinn ihres Lebens, denn die Zeit der großen Kriege ist vorbei. Der Daimyo, Date Masamune, in seinen jungen Jahren ein erbarmungsloser, machtbesessener Samurai, passt sich an. Er erkennt, dass nun die Diplomatie am Zuge ist, und behauptet sich in dieser Kunst genauso gut wie auf dem Schlachtfeld.
Günter Kaufmann, ein unter mysteriösen Umständen im chinesischen Shaolin-Kloster gestrandeter Deutscher, wird zu seinem Hatamoto, und lernt Kazuko, eine außergewöhnliche junge Frau, kennen. Das Glück scheint ihm endlich gewogen, doch Licht und Schatten liegen dicht beieinander.
Ich wollte gerade antworten, als sich im Hintergrund eine leise Frauenstimme zu Wort meldete. Wütend fuhr der Fürst herum und schleuderte der jungen Frau ein paar barsche Worte entgegen.
Es war Kazuko, die gehbehinderte Tochter des Fürsten, die sich nach den Worten des Vaters verneigte und ihm leise etwas erwiderte. Da ich gerne wissen wollte, worum es ging, forderte ich Shigenaga auf zu übersetzen. Widerwillig kam er meinem Wunsch nach und erklärte:
›Kazuko hat es gewagt, unaufgefordert an unserem Gespräch teilzunehmen. Hätte sie nicht diese Sonderstellung, wäre eine schwere Bestrafung die Folge. Nach der Zurechtweisung ihres Vaters bat sie demütig, seine Fragen beantworten zu dürfen.‹
Katakura Shigenaga verdrehte die Augen und schüttelte unmerklich den Kopf.
›Keine andere Frau würde so etwas wagen! Doch sie weiß genau, dass ihr Vater ihr nichts abschlagen kann.‹
Und richtig, mit einer Handbewegung forderte der Fürst sie auf, nach vorn zu kommen.
Auf ihren Stock gestützt, kam sie mit ihrem wiegenden Gang der Aufforderung nach, verbeugte sich vor uns und machte Anstalten, auf die Knie sinken. Es war offensichtlich, dass ihr das nicht möglich war! Auf den Wink des Vaters brachte eine Dienerin, die Kazuko gefolgt war, einen kleinen Schemel und half ihr, sich darauf niederzulassen. Ich bemerkte, wie schwer es ihr fiel, konnte sie doch ihr rechtes Bein nur eingeschränkt bewegen. Doch trotz dieser Beeinträchtigung und obwohl sie mit scheelen Blicken missbilligend betrachtet wurde, strahlte sie wieder diese große innere Zufriedenheit aus. Ihre Augen leuchteten, und ich sah es ihr an, dass sie sich sehr anstrengen musste, diesen demütigen Auftritt durchzuhalten.
›Nun, was weißt du? Was hast du verstanden, was wir nicht verstehen konnten?‹, fragte der Vater ein wenig ungehalten.
›Es schien mir offensichtlich, dass der Metsuke unseren Gast ausspionieren wollte.‹
Shigenaga übersetzte das Gespräch mit leisen Worten, doch seine ganze Haltung zeigte, dass er nicht mit dem einverstanden war, was in diesem Moment geschah.
›Erst ließ er seinen Leibwächter oder was auch immer der war, die Kampffähigkeiten unseres Gastes austesten, und zwar auf eine Art, die ihn demütigen und verletzen sollte. Als sich unser Gast aber‹, sie nickte mir mit einem Lächeln zu, ›so hervorragend zu wehren wusste, gerieten die beiden aus der Fassung. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Kampf so sehr mit dem Kopf ausgefochten wurde.‹
›Wie meinst du das, mit dem Kopf? Ich habe keinen einzigen Schlag oder Tritt gesehen, der auf den Kopf gerichtet war. Willst du uns verhöhnen?‹, die Verärgerung Masamunes war deutlich herauszuhören.
Sie neigte den Kopf und machte eine beschwichtigende Handbewegung.
›Das würde ich niemals wagen! Doch ich kann mich leider nicht besser ausdrücken. Vielleicht kann es unser Gast besser erklären.‹
Alle Augen wandten sich mir zu, aber ich war für einen Augenblick so überrascht, dass ich nicht gleich antworten konnte. Wie hatte sie das nur erkannt? Kein anderer schien etwas bemerkt zu haben, doch sie ...
›Die Dame Kazuko ist eine gute Beobachterin. Sie hat bemerkt, was eigentlich nicht zu sehen ist, denn mein Gegner versuchte, in meine Gedanken einzudringen. Er wollte wissen, was ich vorhatte, noch bevor ich mit der Bewegung begann. Vielleicht auch mehr, denn er war sehr stark in dieser Begabung.‹

Mehr unter: www.traum-oder-wahres-leben.de
verfasst von Josefine am 18.05.2014:BewertungssternchenBewertungssternchenBewertungssternchenBewertungssternchenBewertungssternchen
Inhalt:
Der Protagonist erzählt seine Lebensgeschichte weiter und knüpft an die letzten Geschehnisse des ersten Bandes, in China, an. Die Haupthandlung konzentriert sich aber auf Japan zu beginn des siebzehnten Jahrhunderts. Günter Kaufmann, der durch mysteriöse Umstände, aus unserer modernen Welt in diese Zeit verschlagen wurde, verlässt mit der japanischen Gesandtschaft China. Die Tokugawa Shogune haben das Land geeint und die ständigen Kleinkriege der Fürsten beendet, indem sie erbarmungslos die Macht an sich rissen. Xu Shen Po, wie Günter Kaufmann als Shaolin Meister genannt wurde, wird Hatamoto von Date Masamune. Dieser Samurai ist ein einflussreicher Fürst und wandelt sich vom Krieger zum Diplomaten. Dabei soll Ishikawa Yoshio - der japanische Name von Günter - ihn unterstützen. Wie im ersten Band entwickelt er dabei erstaunliche Fähigkeiten und Geschick. Auch die Liebe kommt in diesem Buch nicht zu kurz, weil er Kazuko, eine Tochter des Fürsten, kennen lernt. Durch einen Unfall gehbehindert, geht sie einen Weg abseits der allgemeinen Regeln. Die Beiden kommen sich näher und Kazuko wird auf eine gewisse Art auch zu Günters Mentor. Der Fürst, ein Schmied und weitere neue Freunde verhelfen den, von der modernen Zeit geprägten Protagonisten, zu erstaunlichen Einsichten. Obwohl von Kämpfen und Intrigen begleitet entwickelt sich ein erfülltes Leben für Günter Kaufmann.

Meine Meinung:
Was für ein Buch! Ich bin begeistert, aufgewühlt, nachdenklich und kann dennoch nur vier Sterne vergeben. Das liegt aber nur an den ersten zwei, drei Kapiteln. Das Erste ist recht kurz und Teil der Rahmenhandlung, die ich, obwohl ich den ersten Band gelesen habe, noch nicht verstehe. Ich hoffe das ändert sich mit dem am Ende angekündigten letzten Band.
Die nächsten zwei Kapitel plätschern so dahin und ich bin mehrfach versucht, das Buch beiseite zu legen. Sie gehören nach meiner Meinung in den ersten Band.
Aber, ab Kapitel vier nimmt die Geschichte Fahrt auf und ich verbringe meine Urlaubstage in den Sessel vergraben, ans Kindle geklebt.
Kazuko ist so ein liebevoll beschriebener, kluger Charakter, dass sie sofort mein Herz einnimmt. Die Gedanken die sie äußert, sind außergewöhnlich.
„Jeder Mensch ist einzigartig! Jeder Mensch ist geprägt von seinen Erfahrungen und verändert sich auch mit ihnen. Doch jeder ist auch in einem kleinen Käfig gefangen, bestehend aus den Umständen, die er kaum beeinflussen kann ... Die einen sind glücklich damit, denn es füllt sie aus, und sie können es annehmen, ohne dass ihre Seele Schaden nimmt. Die anderen quälen sich, sie sehnen sich nach einem anderen Leben, doch es gelingt ihnen nicht, sich aus ihrem Käfig zu befreien.“
Es gibt viele solcher Erkenntnisse im laufe der Handlung und ich habe mir jede Menge Markierungen und Notizen gemacht.
Auch der Schmied, der Fürst und weitere Charaktere sind Figuren die mir bald ans Herz wachsen. Doch der Samurai Katakura Shigenaga - manchmal habe ich Probleme mit diesen fremdländischen Namen, aber das Glossar hat mir da viel geholfen - ragt für mich besonders heraus. Sein Kniefall nach einer Zurechtweisung von Ishikawa Yoshio und die darauffolgenden Gespräche sind ein Glanzstück des Buches.

Fazit:
Ein tolles Buch, das unterhält und zum Nachdenken anregt. Auch für Leser die den ersten Band nicht gelesen haben, ab dem dritten, vierten Kapitel gut verständlich.
Ein Abschnitt aus dem letzten Kapitel verdeutlicht meine Gefühle beim lesen sehr gut:
„Ich weiß nicht, wie es möglich sein kann, andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass alles nur erfunden ist. Ich habe solchen Schmerz gefühlt, eine so große Liebe erfahren. Die Berührungen gespürt, wie du sie empfunden hast, und ...“
„Und doch hast du nichts davon erlebt! Hast alles nur durch mich erfahren. Konntest nur an meinen Gedanken teilhaben.“

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