Herbert Fritsche
Sinn und Geheimnis des Jahreslaufs
Vom Werdeziel unseres Weltentags - 2. Auflage
Taschenbuch Januar 2026
226 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-249-8
Sinn und Geheimnis des Jahreslaufs
Vom Werdeziel unseres Weltentags - 2. Auflage
Taschenbuch Januar 2026
226 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-249-8
Ein neuer Herbert Fritsche Sammelband ist erschienen. Noch dazu einer, der Wesentliches aus seinem Schaffen vereint, was unter dem Begriff Welten-Werdung zusammengefasst werden kann.
Er vermittelt uns nicht nur Einblicke in das Walten und Wirken des äußeren Jahreslaufs, sondern gemahnt uns auch, dass jeder in seinen Bereichen, in seinem Sein, ein existenzieller Vertreter dessen wird, was er meint, sagt und fordert. Denn Wahrheit – und Wahres ist stets ein Kennzeichen göttlicher Einfachheit – die sich nicht verleiblicht, bleibt ohne Erdenwirksamkeit: über alle Zeiten hinweg.
Er vermittelt uns nicht nur Einblicke in das Walten und Wirken des äußeren Jahreslaufs, sondern gemahnt uns auch, dass jeder in seinen Bereichen, in seinem Sein, ein existenzieller Vertreter dessen wird, was er meint, sagt und fordert. Denn Wahrheit – und Wahres ist stets ein Kennzeichen göttlicher Einfachheit – die sich nicht verleiblicht, bleibt ohne Erdenwirksamkeit: über alle Zeiten hinweg.
Mein lieber Freund! – Die Ratlosigkeit, die aus Deinem Brief an mich spricht angesichts der Menschheits- und Kulturkatastrophe unserer Tage, brachte mich zunächst in Verlegenheit hinsichtlich meiner Antwort. Ich meinte, es sei ein behutsames geistiges Vorbereiten – eine literarische Einwickelung gleichsam – vonnöten, um Dir das einzuprägen, was ich als die Voraussetzung jeder Genesungsbemühung erkannt habe. So war denn dieser mein Antwortbrief für mich mehrere Tage hindurch ein Formproblem.
Seit heute früh ist das nicht mehr der Fall. Ich habe mich entschlossen, aus den vielen Umschreibungen, Skeptizismen und Diskussions-Einladungen Deines Briefes nur das eine herauszulesen, was tatsächlich seinen eigentlichen Inhalt bildet: die Frage nämlich – die Du, in dieser konkreten Form gar nicht zu stellen wagst –: „Wo sollen wir Wurzelgrund suchen?“ Damit, dass sie mir (als sorgsam abgedämpfter Notschrei) vernehmlich wurde, stehe ich vor der Pflicht, sie ohne Umschweife zu beantworten; Du selber freilich stehst dann ebenfalls vor einer Pflicht, nämlich freiwillig zu verzichten auf die indirekte Redeweise, deren sich die „Geistigen“ so gern und so erfolglos bedient haben, statt dessen aber hinzunehmen, was menschliche Urkost ist in allen Fragen nach Weg, Wahrheit und Leben: Brot und Wein.
Wir wissen, dass unsere Kultur krank war wie nie zuvor. Wir wissen auch, dass es sich um akute Ausbrüche handelte, die lange schon vorbereitet gewesen sind im Sinne einer „Säfteverderbnis“, einer prämorbiden Phase. Genesung kann nur angebahnt und schließlich erlangt werden, wenn wir den Boden verbessern, auf dem die Menschheit mit ihren Werten siedeln soll; wenn wir die verdorbenen Säfte wandeln in das reine Blut, aus dem kein Unheil mehr hervorgehen kann. Wo aber ist diese unsere kranke Kultur am tiefsten unwahrhaftig gewesen, wo ist sie es heute noch? Am besten erhalten wir eine Antwort auf unsere Frage, wenn wir sie an Menschen richten, die das zu beurteilende Phänomen mit jenem Abstand betrachten können, der eine ungetrübte Erkenntnis gewährleistet.
Ich habe deshalb stets gern mit gebildeten Asiaten über diese Probleme gesprochen. So fragte ich vor einigen Jahren einen indischen Pandit, einen Sanskrit-Gelehrten, was ihm als erheblicher Unterschied im kulturellen Gefüge seiner und unserer Heimat aufgefallen sei, als er nach Europa kam. Die Antwort war mir nicht verwunderlich, wenngleich beschämend: Er sagte, dass jedermann in Indien mit Selbstverständlichkeit existenzielle Bürgschaft für seine Anschauungen zu leisten pflege. Ein Weisheitslehrer ohne ein Leben der Weisheit, ein Religiöser ohne aus dem Wesen hervorleuchtende Frömmigkeit, ein Yogi ohne Persönlichkeitsprägung durch seine Yoga-Exerzitien wäre dort von vornherein kulturell unwirksam. Ohne das Zeugnis der persönlichen Substanz keine Zeugung kultureller Substanz. Hier jedoch, in Europa, trifft man mit fast ebenderselben Selbstverständlichkeit auf den Philosophen ohne das der Weisheit geweihte Leben, auf den Theologen ohne Gnadengaben, auf den Arzt, der selber teilnimmt an den Zivilisationsschäden, die er als solche erkennt.
Ja, lieber Freund, da liegt es!
Früher, als ich gern gar zu totalitäre Forderungen stellte, warf ich unserer Zeit und unserer Kultur vor, sie lasse zu wenig Heilige aus sich hervorgehen. Heute formuliere ich es bescheidener – und doch steckt darin der schwerere Vorwurf: Unsere Zeit, unsere Kultur hat überhaupt den Gesichtspunkt der Heiligung, der Lebensweihe für hohe Ziele – sei es im Ganzen, sei es auch nur im Besonderen – so gut wie verloren. Der Sportler (es klingt wie Hohn!), der hat es noch, freilich auf seine Weise. Er muss sein gesamtes Leben, Kost und Schlafzeit, Training und Pause, Dosierung der Genussgifte und Ordnung der Sexualität, zuchtvoll in die Waagschale werfen. Auch der Dompteur, der Tierbändiger, muss es. Eine schlaflose Nacht, ein Schnaps vor dem Betreten der Manage, eine einzige saloppe Anwandlung hinsichtlich Seelen- und Körperhaltung kann ihm in der Konfrontation mit seinen Löwen oder Tigern das Leben kosten. Der Mensch der geistigen Führerschicht hingegen ..., der kommt billiger davon.
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