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Udo Tschatschula
Sarah - Ein Adoptivkind


Taschenbuch Februar 2015
288 Seiten | ca. 12,0 x 18,0 cm
ISBN: 978-3-86468-866-9
ISBN (E-Book): 978-3-86468-867-6



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Das Buch erzählt die Geschichte der kleinen Sarah, die als Baby adoptiert worden war.
Zehn Jahre später, nachdem die Adoptivmutter einen tödlichen Autounfall erlitten hatte, wurde sie dann von ihrem Vater allein aufgezogen.
Das heranwachsende Mädchen entwickelte eine tiefe Zuneigung, später sogar Liebe, zu ihrem Vater.
Er hatte sich vorgenommen, ihr anlässlich ihres 18. Geburtstags zu sagen, dass sie sein Adoptivkind ist. Aber je näher dieser Termin rückte, desto öfter wurde er nachts mal wach, konnte nicht schlafen und bekam darüber sogar mitunter Bauchschmerzen. Manchmal stand er dann auf, ging im Haus umher, versuchte sich bisweilen mit einem Cognac zu beruhigen, schlich sich dann auch mal an Sarahs Bett, sah nach ihr und fühlte Wohlbehagen, wenn er sie so friedlich schlafen sah.
Er war sich nicht sicher, wie seine Tochter auf diese Botschaft reagieren würde. Er hatte zwar insgeheim eine Wunschvorstellung, aber so richtig wollte oder konnte er nicht daran glauben. Jeder ist ein Bestandteil der Gesellschaft und wie würden die Leute das aufnehmen...? Am Ende wird man gar noch als Kinderschänder verleumdet - jemand der vielleicht immer schon pädophil war. Nicht auszudenken!

Rein körperlich war Sarah schon längst kein Kind mehr. Sie war eine junge Frau geworden und eine schöne obendrein, die, nach seinem Empfinden, ihrem Alter voraus war. Ihre kindliche Unbeschwertheit ihrem Vater gegenüber war aber geblieben. Nach wie vor suchte sie seine Nähe, auch in eher untypischen Vater-Tochter-Situationen. Ob sie sich in der Öffentlichkeit bewegten und sie sich ihrerseits eher wie seine Ehefrau gab oder sie in der Badewanne saß und sich dabei unbedingt mit ihm unterhalten wollte oder – die Situationen, da sie Sonntags immer noch mit ins eheliche Bett kam und es genoss, von ihm in den Arm genommen zu werden.

Der Vater fragte sich jedoch immer öfter, ob da bei ihr nicht auch eine Absicht dahinter stecken könnte. Wenn ja, dann war es aber allemal gut gespielt. Junge Mädchen versuchen doch schließlich, früher oder später ihre Wirkung auf das andere Geschlecht auszuloten. Warum nicht beim eigenen Vater beginnen? Immerhin war er nach ihrem Geschmack ein gutaussehender Mann mittleren Alters, schlank und hoch aufgewachsen. Fremden gegenüber schämte sie sich seiner in keiner Weise. Weder seines Alters, noch seines Aussehens, noch seines Verhaltens wegen.

Wenn sie anlässlich ihres oder seines Geburtstags „fein“ essen gingen, kam sie sich wie seine Frau vor und er für sich war stolz mit einer so jungen hübschen Frau an seiner Seite. Beide fühlten sich in ihren Rollen wohl. Bevorzugt suchten sie zu solchen Anlässen Restaurants an Orten aus, in welchen man sie nicht kannte. In ihrem Bekannten- und Verwandtenkreis schien man die geheime Zuneigung der Beiden als sehr gutes Vater-Tochter-Verhältnis zu sehen. Schließlich wusste nur ein sehr kleiner Kreis von der damaligen Adoption. Einzig die Großmutter schien wohl an Blicken, Gesten und Verhalten ihrer Enkelin ablesen zu können, dass da mehr zu sein schien. Aber diese Ahnung behielt sie für sich. Sie mochte ihre Enkelin sehr und auch ihr Schwiegersohn hatte ihr nie Grund zur Unzufriedenheit gegeben – zu Lebzeiten ihrer Tochter nicht und auch nicht danach. In ihrer Enkelin sah sie ein Weiterleben ihrer Tochter.

Der 18. Geburtstag stand nun bevor und er hätte sonst was darum gegeben, wenn sich dieser Termin noch rausschieben ließe. Es war nun halt mal so und ließ sich nicht verhindern. Wegfahren schied ebenfalls aus, da Sarah ja noch zur Schule musste. Also lief eigentlich alles so wie immer. Gratulation. Geschenk. Tochter zur Schule - Vater ins Büro. Abends dann eine kleine Feier im Familienkreis. Die eigentliche Fete mit Freunden und Freundinnen aus der Schule, der Musikschule und dem Tennisclub sollte dann am Wochenende sein.

Am Geburtstagsabend aber ging er noch mal in Sarahs Zimmer, setzte sich auf die Bettkante und ihm war, als befände er sich auf dem Gang nach Canossa. Er fragte sie, ob sie schon müde wäre, er müsste ihr noch was sagen. Nein, nein – sie sei noch nicht müde. Er schaute sie sehr nachdenklich an. Sie blickte eher erwartungsfroh. Sie merkte, dass er nach richtigen Worten suchte und ließ ihm auch die Zeit dazu. Dann sprudelte es aus ihm heraus, teils als Wiedergabe der damaligen Bemühungen, die zu einem eigenen Kind führen sollten, teils aber auch als Entschuldigung, dass man sie solange im Unklaren gelassen hat, immer wieder den richtigen Zeitpunkt suchend. Über viele Jahre hinweg war Sarahs Adoption auch ganz verdrängt gewesen. Die Liebe zu dem Kind hätte auch nicht tiefer sein können, wenn es das eigene gewesen wäre. Hätte sich Sarah n i c h t „erwartungsgemäß“ entwickelt, wäre man möglicherweise öfter mal daran erinnert gewesen, den Grund dafür allein beim adoptierten Kind fremder Eltern zu suchen, aber so ...

Ihm war erst mal ein Stein vom Herzen gefallen, dass er den Mut aufgebracht hatte, seine Botschaft loszuwerden. Nun musste er nur noch die Antwort ertragen können. Wie mochte sie reagieren?
Sie sah ihn nach wie vor an, aber ihre Augen füllten sich mit Tränen. Er fürchtete, dass sie ihm jetzt böse sein oder ihn gar verstoßen könnte. Stattdessen streckte sie ihre Arme nach ihm aus und zog ihn zu sich heran. So umarmt blieben sie eine ganze Weile liegen.

Sie hatte noch immer nichts gesagt. Dann sagte sie fast unhörbar, dass sie ihn ganz, ganz doll lieb hätte und das schon seit langem. In dem Moment waren all seine Befürchtungen verflogen. Zumindest fürs Erste. Sie löste sich von ihm, sodass sie ihn anschauen konnte. Ihren Blick wertete er als eine Art Verständnis und Erlösung. Sie lächelte ihn an, hielt ihre Hände immer noch an seinem Kopf und zog ihn dann zu sich herunter. Sie küsste ihn auf den Mund. Das hatte sie bisher zwar auch schon getan, aber mehr so als Küsschen. Das jetzt war anders. Er erschrak dabei. Was hatte das zu bedeuten? Welche Vorstellungen verband sie damit? Nun war er zwar seine Botschaft losgeworden, aber neue Irritationen taten sich auf. Beide sagten nichts und verweilten derart noch ein paar Minuten. Mit Hinweis darauf, dass es doch schon spät sei und sie doch morgen wieder zur Schule müsse, zog er sich mit dem üblichen Gute-Nacht-Kuss ins Schlafzimmer zurück.

Er lag in seinem Bett und konnte nicht einschlafen. Zu viele Dinge um seine Adoptivtochter gingen ihm im Kopf herum. Musste er sie zukünftig nicht mehr als sein Kind ansehen, sondern eher als eine junge, ja sehr junge und - das konnte er nicht leugnen – begehrenswerte Frau? Wie sollte er das nur bewältigen und – wie sollte man das Freunden und Bekannten beibringen?

Es dauerte nicht lange, als Sarah zu ihm ins Bett kam, so wie sie es in ihrer kindlichen Art immer schon getan hatte. Diesmal ohne Kommentar, wie z.B. sie könne nicht schlafen, hätte Angst oder müsse noch etwas bereden. Sie legte sich ganz einfach in seinen Arm, legte seine Hand auf ihre Brust und hielt sie dort mit ihren Händen fest. Vielleicht war das ihre Andeutung, dass er sie jetzt als Frau und nicht mehr als seine Tochter begreifen sollte. Er ließ seine Hand zwar dort liegen, war aber andererseits auch froh, dass sie es dabei bewenden ließ. Bei jeder anderen Frau hätte er derartigen Andeutungen entsprochen, aber bei ihr, die nun wusste, dass sie nicht seine Tochter war, war das anders. Über viele Jahre war sie ihm sehr ans Herz gewachsen. So was lässt sich nicht mit einer klärenden Information in einer Nacht abstreifen.


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