Herbert Fritsche
Samuel Hahnemann - Idee und Wirklichkeit der Homöopathie
2. Auflage
Taschenbuch Januar 2026
386 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-248-1
Samuel Hahnemann - Idee und Wirklichkeit der Homöopathie
2. Auflage
Taschenbuch Januar 2026
386 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-248-1
Dieses Buch ist keine Chronik einer Entwicklung. Alles, was vom Werden des Menschen und Arztes Hahnemann erzählt wird, wird mit Hinblick auf seine Vollendung erzählt. Nicht fügt sich aus Mosaiksteinchen allmählich ein Bild zusammen, sondern allenthalben wirft das Werdeziel sein Licht auf den Werdeprozess.
Mit einer Chronik hat das Buch nur die Darstellungsweise in zeitlicher Reihenfolge gemeinsam [...]. Hier geht es um die Erkundung der tieferen Lebenswirklichkeit, demonstriert an einem Schicksalsgang durch Aufdeckung der Motive, die latente Größe offenbar werden ließen. Menschliche Größe ist nicht etwas Quantitatives, sie kommt nicht durch Häufung zustande, ist vielmehr von Anfang an da und wird während eines Schicksalsganges lediglich stärker, reiner und leuchtender wahrnehmbar.
Die Homöopathie, eine universelle Weisheit, ist der Gegenstand des Buches. Über Hahnemann ist sie in die Geschichte der Menschheit eingeflossen.
Mit einer Chronik hat das Buch nur die Darstellungsweise in zeitlicher Reihenfolge gemeinsam [...]. Hier geht es um die Erkundung der tieferen Lebenswirklichkeit, demonstriert an einem Schicksalsgang durch Aufdeckung der Motive, die latente Größe offenbar werden ließen. Menschliche Größe ist nicht etwas Quantitatives, sie kommt nicht durch Häufung zustande, ist vielmehr von Anfang an da und wird während eines Schicksalsganges lediglich stärker, reiner und leuchtender wahrnehmbar.
Die Homöopathie, eine universelle Weisheit, ist der Gegenstand des Buches. Über Hahnemann ist sie in die Geschichte der Menschheit eingeflossen.
Die Universität Wilna beruft ihn mit erhöhtem Gehalt an die Stelle des Professors Forster, des Weltreisenden. Hahnemann lehnt ab. Hofft er, in Deutschland statt im Ausland eine Berufung mit gutem Sold zu erhalten? Fürchtet er, in Wilna von der Spur abgedrängt zu werden, die endlich vor ihm aufgeleuchtet ist? Oder ist er der bloßen Gelehrsamkeit, des Professorentums, ein für allemal überdrüssig, weil Helfen und Heilen größer ist als Denken und Deuten?
Genug, er lehnt ab. An Gönner und Bekannte aber schreibt er, dass ein neuer Winter vor der Tür stehe, den in Stötteritz zu verbringen qualvoll sei. Er sucht um Rat bezüglich einer Wohnungsveränderung nach. Stattdessen ernennt man ihn in Erfurt nach Verlauf eines weiteren Stötteritzer Jahres zum Mitglied der Mainzer Kurfürstlichen Akademie der Wissenschaft. Das benachbarte Leipzig ernennt ihn zum Mitglied der Leipziger ökonomischen Gesellschaft. Wieder bricht ein Winter herein, und der dreifach Gelehrte knetet Brotteig, während seine Frau Windeln wäscht und die Kinder vor Mehlnährschäden und Überfütterung bewahrt bleiben.
Da bricht Hahnemann auf ins Weglose.
Er zieht rückschauend die Bilanz seines Lebens. Was hat es ihm gebracht? Vom Vater her die stete Sicht auf das wahre Bild des Menschen, von der Schule her eine gute humanistische Bildung, von der Universität her zahllose Enttäuschungen und – in ungetrübtem Licht – das Vorbild des Arztes Quarin. Und dann? Siebenbürgener Erfahrungen, kleinstädtische Praxisjahre voller Gewissensnot, Eheglück und Familienmisere, Flucht aus dem Arzttum, Erarbeitung von Neuland in der Chemie und der Gesundheitslehre, Anpassung an Not und Bedrängnis, ein wenig Ruhm und sehr viel mehr Zigeunertum, schließlich aber das Aufleuchten dessen, was der Heilkunst fehlt – eines Maßstabes, durch den ein sicheres Handeln gewährleistet wird. Noch ist nur geahnt, nur von fern geschaut, was zum Nordstern werden soll.
Aber es gibt für Hahnemann kein höheres Geschenk. Denn jetzt darf er wieder hoffen, Arzt sein zu können. Jetzt kann der verlorene Sohn heimkehren ins Heiligtum des Asklepiaden, nicht als Schweinehirt, sondern als ein Erwählter.
Eine innere Stimme drängt ihn aus Stötteritz fort. Es ist nicht die Stimme der Not. Ihr hätte er nach Wilna folgen können. Es ist die Stimme, die ihn ins Feuer der Bewährung weist. Der Bewährung als Arzt, denn alle andern Bewährungen – die des Charakters, der Lebensmeisterung und der Gelehrsamkeit – hat er hinter sich, und sie wiegen ihm leicht.
Wo das Arzttum auf seinem verlorensten Posten kämpft, da drängt es ihn hin. Andere hätten im Besitz der neuen Einsicht, die sich aus dem Selbstversuch mit Chinarinde ergab, von einer bequemen Stadtpraxis oder gar einer Hochschulberufung her zu experimentieren begonnen, um das Neue vorsichtig zu erproben und zu erhärten. In Hahnemann aber lebt ein dunkles Wissen, dass ungewöhnliche Ziele einen ungewöhnlichen Einsatz fordern. So lenkt er denn seine Bahn nicht aus dem Stötteritzer Schutt ins hellere Licht einer neuen, durch begründeten Optimismus gesegneten Arztpraxis, sondern er geht zu den Ungesegneten.
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