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Sebastian Dzierzon
Sakartvelo - Mission im Unbekannten


Taschenbuch Mai 2014
220 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-86468-711-2
ISBN (E-Book): 978-3-86468-834-8



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Georgien, oder unter den Einheimischen auch ‚Sakartvelo‘ genannt, ist ein Land, das für viele von uns unbekannt ist. So war es auch für den Autor, bis er selbst 21 Monate in der Hauptstadt Tiflis wohnte und arbeitete.
Sebastian Dzierzon ist Mormone und hat sich mit 21 Jahren für einen zweijährigen Missionarsdienst für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage beworben. Die Kirche sandte ihn nach Georgien, ein Land, welches er bisher nur aus dem Schulatlas kannte.
Plötzlich findet er sich dort in Georgien wieder, unter Menschen, die ihm unbekannt sind, mit einer Sprache, die ihm unbekannt ist und einer Kultur, die ihm unbekannt ist.
Die Erfahrungen, die er dort sammelte, hat er in diesem Buch zusammengefasst. Gleichzeitig versucht er, Georgien für Sie bekannter zu machen, damit es für Sie nichts Unbekanntes mehr ist.

Sebastian Dzierzon ist glücklich verheiratet und Vater von zwei Kindern.
Montag, 16. Oktober 2006
Heute früh kam unser Gepäck an. So ging es dann im Kleinbus in Richtung Georgien. Die Fahrt dauerte zirka vier bis fünf Stunden. Während dieser Autofahrt konnte ich die wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaft bestaunen. Armenien ist landschaftlich ein sehr schönes Land. Eines Tages möchte ich zurückkehren und hier wandern gehen.
Mir gehen sehr viele Gedanken durch den Kopf…. …Die Schlaglöcher in Deutschland sind nichts gegen die in Armenien. …Haben die Menschen im Gebirge Strom, Heizung und fließendes Wasser? …Wie werden die Menschen hier wohl leben? …Ob den Menschen in Deutschland bewusst ist, wie gut es ihnen geht? …Wie wird es wohl in Tbilisi aussehen? Wie werden die Menschen dort sein? Diese und viele andere Fragen gehen mir durch den Kopf.
Die Grenze nach Georgien war schnell passiert. Es ist auch das erste Mal, dass ich Georgisch höre. Mensch, diese Sprache soll ich mal sprechen und lesen können(!). Als wir nach Tbilisi reingefahren sind, schoss mir der Gedanke durch den Kopf: „Wo bist du denn gelandet?“

Freitag, 20. Oktober 2012
Heute Vormittag haben sich alle acht Missionare im Gemeindehaus getroffen, um gemeinsam georgisch zu lernen. Eine Studentin aus der Englisch-Klasse hatte uns gebeten, mit ihr zusammen ihren Bruder zu besuchen, der in einer Psychiatrischen Klinik liegt. So haben wir uns mit ihr getroffen und sind zu dem Krankenhaus gefahren. Der Anblick von außen hat mich eher an ein Gefängnis der 70er Jahre erinnert. Vor den Fenstern Waren Gitterstäbe und das Gebäude machte einen maroden Eindruck. Um in die Klinik zu kommen, mussten wir durch eine Gittertür, die bewacht wurde. Es war mir schon etwas unheimlich. Mir kamen Bedenken, ob die uns auch wieder raus lassen. Hier auszubrechen ist wahrscheinlich unmöglich. Drinnen wurden wir von einer unfreundlichen Krankenschwester begrüßt und hat uns gebeten, im Aufenthaltsraum der Patienten zu warten. Die Studentin ist dann auf das Zimmer ihres Bruders gegangen, um ihn zu holen. Es war schon ein mulmiges Gefühl. Um uns herum waren nur schwerkranke Menschen. Sie haben uns leid getan. Diese schienen aber auch unberechenbar zu sein. Mein Mitarbeiter und ich haben uns nur angeschaut und wir beide haben dasselbe gedacht: „Hoffentlich kommen wir schnell wieder hier raus.“
Man muss sich diesen Aufenthaltsraum wie folgt vorstellen. Das Zimmer war zirka 20qm groß. Es gab zwei kleine Fenster mit Gittern davor. Es gab nur sehr wenig Licht. Der Fußboden hatte Löcher und die Wand war dunkel. Verschiedene kaputte Stühle standen im Zimmer herum. Auf diesen saßen wir auch. In der Ecke stand ein alter Fernseher, der stark geflackert hat.
Es gab zirka sieben Patienten in diesem Raum, die uns die ganze Zeit nur angestarrt haben. Endlich kam die Studentin mit ihrem Bruder. Dieser war sehr nett und machte nicht gerade den Eindruck, als ob er hierher gehört. Er spricht auch Englisch und hat sich sehr gefreut, mit uns Englisch zu sprechen. Anmerkung: Der erste Eindruck kann täuschen. Ich habe ihn später nach der Entlassung wieder getroffen und habe gemerkt, dass er tatsächlich psychisch schwer krank ist. Dazu aber später mehr. Die leitende Ärztin hat uns dann in ihr Zimmer gerufen und uns über den Gesundheitszustand aufgeklärt. Das Behandlungszimmer sieht auch nicht viel besser aus als das restliche Gebäude. Es gab nur einen kleinen Medizinschrank und eine Pritsche sowie Stühle in diesem Zimmer. Sie war begeistert, dass ein Amerikaner und ein Deutscher hier sind, um diesen jungen Mann zu besuchen. Sie selber spricht auch etwas Englisch und so haben wir uns auch auf Englisch unterhalten. Sie erklärte uns, dass der Staat seit dem Fall der Sowjetunion wenig Geld hat. Somit müssen die Krankenhäuser mit nur wenigen finanziellen Mitteln aus-kommen. Sie erklärte uns weiterhin, dass im Vergleich zu Krankenhäusern im restlichen Georgien dieses doch sehr gut ausgestattet ist. Anmerkung: Ich habe später einmal ein Foto von einer ländlichen Arztpraxis gesehen. Ich habe dann verstanden, was die Ärztin damit meinte.

Wir sind dann wieder gegangen und waren froh, wieder draußen zu sein. Allerdings hat uns dieses Erlebnis auch sehr dankbar gestimmt, für den Wohlstand, in dem wir leben. Am Nachmittag haben wir uns mit einer Lehrerin in einer Schule getroffen. Sie unterrichtet Englisch und hat auch vor Jahren Kirchenmaterial ins Georgische übersetzt. Sie sprach mit uns über ihre Erlebnisse beim Übersetzen und wie es ihr geholfen hat, ihr Englisch zu verbessern. Sie zeigte uns auch das Schulhaus. Dieses ähnelte meinem alten Schulhaus, bevor es renoviert wurde. Sie erklärte uns aber, dass vieles kaputt ist und nicht repariert werden kann, da das Geld dafür fehlt. Auch haben die Schüler teilweise keine Lehrbücher. Als wir gegangen sind und den Schulhof verlassen wollten, war das Tor zugesperrt. Auch in die Schule kamen wir nicht mehr, da die Tür verschlossen war. Also mussten wir über das Tor klettern. Wir hatten nur ein Problem. Das Tor war mit Stacheldraht gesichert… Glücklicherweise haben wir es unbeschadet überstanden.

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