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Klaus Heinrich Lockmann
Prozess eines Erbschaftsstreits im Jahre 1494
Eine mittelalterliche Verhandlung nach den Quellen dargestellt und erläutert.

Festeinband Januar 2015
210 Seiten | ca. 21,0 x 29,7 cm
ISBN: 978-3-86468-847-8


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Ein alter Rechtsgrundsatz lautet "Wer mein Blut hat, ist mein Erbe".
So entschied grundsätzlich die Nähe der Verwandtschaft über die Berufung zur Erbschaft. Wie lässt sich das in diesem Fall, der sich im Jahr 1494 zugetragen hat, ermitteln?

Das Buch zeigt in besonders anschaulicher Weise wie ein solches Verfahren in der damaligen Zeit geführt wurde. Es basiert auf einem vollständig erhaltenen 80-seitigen Protokoll zu einem Erbschaftsstreit im ausgehenden Mittelalter, welches der Autor im Lübecker Archiv fand. Die Originalkopien dieses handschriftlichen Quelltextes sind in hervorragender Qualität in dem Buch abgedruckt. Der dort beschriebene Vorgang wurde vom Autor transkribiert. Bei der Übersetzung und den Erläuterungen hat er die mittelalterliche Ausdrucksweise mit ihren Kettensätzen beibehalten. Dieses erleichtert es dem Leser sich in die damalige Denkweise zu versetzen.
Sachlich geht aus dem Protokoll in besonderer Weise hervor, wie zwei Parteien um das Erbe eines verstorbenen Lübecker Bürgers, der dort als Kaufmann tätig war und aus dem Bistum Münster stammte, mit allen Mitteln gerungen wird. Auch der Schriftverkehr zwischen den einzelnen Rathäusern ist enthalten. Seinerzeit waren mehrere honorige Personen, wie Bürgermeister und Erbmänner aus den betroffenen Städten mit dem Fall befasst. Auch fanden sich zu diesen einflussreichen Personen eine große Anzahl Urkunden in den Archiven, so war es möglich sich ein Bild von ihnen zu machen. Mit ihren jeweiligen Interessen machen sie den Vorgang noch spannender.

Führte die Gier nach dem Erbe für eine der Parteien zum Ziel?
Der Lübecker Bürger Gerd Peppe, aus dem Bistum Münster stammend, Sohn des Johan Enekeman, genannt Peppe, ist als Kaufgeselle der Hanse in Lübeck wohl reich geworden. Er schreibt schon am 18. Juli 1464 sein Testament, stirbt jedoch wesentlich später im Jahre 1493. Sein Nachlass ist zu diesem Zeitpunkt wohl noch vorhanden, die Begünstigten scheinen inzwischen verstorben zu sein. Ein jüngeres Testament findet sich nicht.

Um den 19. Mai 1493 erhielt der Rat der Stadt Lübeck die Zuversichtserklärungen zweier Parteien aus dem Bistum Münster, um das Erbe des kürzlich verstorbenen Lübecker Bürgers Gerd Peppe einzufordern. Die Partei von Ahlen erschien persönlich, von der Partei Münster erhielt der Rat einen offenen versiegelten Brief. Bei den Verwandtschaftsverhältnissen gab es Ungereimtheiten, so dass keiner der beiden Familien der Nachweis gelang und die Sache offen blieb.
Der Rat hatte nach reiflicher Überlegung beiden Seiten vorerst abgesagt und gefordert, dass alle Personen, die Ansprüche auf das Erbe haben, persönlich vor dem Rat erscheinen müssen und stunden damit, wie es heißt ‚die Sache auf Jahr und Tag‘.

Beide streitenden Parteien formulierten das Ansinnen, dass der Rat der Stadt Osnabrück als Kommission die Sache klären solle. Der Rat in Lübeck wählte daraufhin ein planmäßig nach-vollziehbares Vorgehen und wandte sich mit einer Art „Amtshilfeersuchen“ an den Rat der Stadt Osnabrück. Er bat, der Rat der Stadt Osnabrück möge die Zeugen verhören und die Ergebnisse, von einem Ratssendboten, versiegelt an den Rat der Stadt Lübeck übermitteln, damit man dann in der Sache entscheiden könne.
Der Rat der Stadt Osnabrück entsprach dieser Bitte und übernahm diese Aufgabe in Person des Bürgermeisters und der Ratsmänner der Stadt Osnabrück als Kommission. Wegen seiner Schläue und seines diplomatischen Geschickes wurde der Osnabrücker Bürgermeister Ertman wiederholt mit der Schlichtung solcher und ähnlicher Streitfälle betraut.

Im Archiv in Lübeck ist die originale, handschriftliche Dokumentation der Schlichtung dieses Erbschaftsstreites erhalten. Auf achtzig Seiten wurde das Verfahren vom Protokollführer und Notar der Stadt Osnabrück, Gerardus Polman, protokolliert. Die in niederdeutscher Sprache verfassten Dokumente sind trotz ihres Alters bestens erhalten. Die Handschrift ist flüssig und eindeutig zu entziffern und im Text treten sinngleiche oder verwandte Passagen auf. Somit war es mir möglich, sie zu transkribieren.

Ich habe anhand der Urkunden versucht, das Geschehen detailliert nachzuzeichnen und in den historischen Kontext zu stellen. Um dem Leser einen besseren Überblick im Fortgang des Geschehens zu geben, habe ich die Kopien der Originalurkunden mit den Transkriptionen und Erläuterungen sichtbar gegenübergestellt.

Nachdem dem Wunsch beider Parteien, vom Rat in Osnabrück vernommen zu werden, vom Lübecker Rat stattgegeben wurde, lief die Schlichtung folgendermaßen ab: Bürgermeister und Rat der Stadt Osnabrück bildeten daraufhin die Kommission. Den Vorsitz der Kommission im Rathaus zu Osnabrück hatte der beredte und mit großer Rechtskenntnis betraute Bürgermeister Ertwin Ertman. Die Fragen und Antworten wurden protokolliert. Protokollführer war Gerardus Polman, Notar der Stadt Osnabrück und Otto Havel, der Richter des Stuhles zu Osnabrück von päpstlicher und kaiserlicher Macht und Notar des Rathauses der Stadt Osnabrück.


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