Herbert Fritsche
Pan vor den Toren
Ein Querschnitt durch die Biologie der Gegenwart - 2. Auflage
Taschenbuch Januar 2026
180 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-247-4
Pan vor den Toren
Ein Querschnitt durch die Biologie der Gegenwart - 2. Auflage
Taschenbuch Januar 2026
180 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-247-4
Über alle Bewunderung mikrochirurgischer Rekordleistungen in der modernen Biologie darf die ältere, noch weit ehrwürdigere Methodik nicht unterschätzt werden, die selten ihre volle Verwirklichung erfährt: „Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt.“ Dank Herbert Fritsche dringen wir mit „dem unverfälschten Blick, der die Schöpfung durchleuchtet“, vor ins Niebetretene, wie er sagt, „damit sie sich in uns erkenne.“
Seit je hat die Naturforschung neue und großartige Ideen von Außenseitern empfangen. Das ist nicht verwunderlich. Der fleißige und stets mit der Bearbeitung von Spezialfragen überlastete Fachgelehrte hat durch ein allzu enges Verstricktsein in Methodik und Aufgabenbereich seiner Wissenschaft die Naivität der Fragestellung verloren, die dem Laien eignet. Ist ein solcher Laie gar ein Genie, so wird seine Naivität des Fragens – man könnte statt Naivität auch sagen: Unverbildetheit – verschwistert auftreten mit einem Drang zur Beantwortung solcher Fragen aus dem schöpferischen Quell des eigenen Innern, der Intuition heißt. Die Intuition als Erkenntnismittel ist in der Wissenschaft unserer Zeit wieder zu Ehren gekommen, und gerade die exaktesten Geister, nicht etwa die verschwommensten, bekennen sich zu ihr: Staatsrat Prof. Sauerbruch sieht im intuitiven Erkennen eine wissenschaftliche Methodik, die das rationale Arbeiten zu ergänzen und zu vertiefen berufen ist. Ein Kind fragt: „Warum wachsen die Bäume nicht in den Himmel?“ Der Durchschnitts-Erwachsene fragt das nicht mehr. Wie schade! Prof. Max Westenhöfer, der Entdecker des selbständigen Entwicklungsweges der Tierarten, ist zu seinen Forschungsergebnissen, die immer nachdrücklicher eine Bestätigung durch andere Forscher erfahren und zur Grundlage eines neuen, auf Tatsachen begründeten Weltbildes der Stammesgeschichte geworden sind, nur durch die stete Fragestellung „Warum?“ gelangt. Er selbst sagt darüber in einer seiner anatomischen Arbeiten: „Der berühmte Chemiker Ostwald verbot seinen Schülern die Frage warum... Ich pflegte meinen Schülern im Gegenteil zu empfehlen, bei allen Dingen zu fragen warum ... Mit der Frage warum beginnt alle höhere Wissenschaft, denn das Feststellen und Aufzählen von Tatsachen, die Systematik allein ist noch keine Wissenschaft, obwohl natürlich auch dazu eine reichliche Menge von Beobachtungsgabe und Aufwand von Arbeit gehört. Erst durch die gedankliche Verbindung der festgestellten Tatsachen, ihre Erklärung wird das Höchstmaß von Wissenschaft erreicht, oft freilich auch von Irrtum.“
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