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Herbert Fritsche
Lebensreform
Grundregeln für ein gesundes Leben - 2. Auflage

Taschenbuch Januar 2026
384 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-245-0


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In diesem Band erleben wir einen ganz anderen Herbert Fritsche, scheinbar fernab des Okkulten und Heilkundlichen und doch ist er inmitten des Geschehens, wie man es von Herbert Fritsche nicht anders erwartet. Ob er uns nun „Über Gesundung und Lebenspflege durch Meerwasser und Meersalz“ Auskunft gibt, dessen Geschichte bis zu den Sternen reicht, ob er uns in „Die Diätetik des praktischen Esoterikers“ einführt, eine „vegetarische Typenlehre“ entwickelt, über „Fleischkost, Mischkost, Pflanzenkost in menschenkundlicher Wertung“ referiert oder über den „Mensch und die Küche“ resümiert, stets ist er ganz in seinem Element. Denn Lebensreform hat immer auch mit dem Menschen in seinem tiefsten bzw. höchsten Sinne zu tun. Ein – in diesem Sinne durchaus passender Ausdruck – ganz besonderer Leckerbissen.
Das Geheimnis der Nahrung
Gelöste und ungelöste Rätsel

Mancher mag meinen, eine sorgsame Beschäftigung mit Ernährungsfragen sei lediglich etwas für Fachgelehrte und Materialisten. Wenn man jedoch an die großen Wahrer zur Vergeistigung in der Menschheit denkt, etwa an Zarathustra, Buddha oder Pythagoras, so findet man bei ihnen allen strenge Ernährungsvorschriften, meist in Form von Verboten bestimmter Speisen, Gewürze und Getränke. Aber auch weltzugewandte Menschen des Geistes, z.B. Lord Byron, Nietzsche, und der „Rembrandtdeutsche“ Langbehn, haben sich in ihren Werken und in ihrer persönlichen Lebensgestaltung mit großer Ausführlichkeit den Fragen der Gesundkost gewidmet, wobei sie immer davon ausgingen, dass der Schaffensprozess in engem Zusammenhang mit der aufgenommenen Ernährung steht.
Viele führende Geister wissen um die oft geradezu unheimliche Steigerung der Inspiration und des schöpferischen Schwunges, wenn sie wissentlich fasten. Fast alle religiösen Erwecker der Menschheit ließen ihrem öffentlichen Auftreten eine lange Fastenperiode vorangehen. Ein solches freiwilliges Fasten wird in der Regel ebenso gut vertragen, wie ein unfreiwilliges Hungern zu schweren Schwäche- und Leidenszuständen führt. Damit stehen wir vor einem ersten großen Rätsel der Ernährungsbiologie: Die innere Mitarbeit des Willens macht ein ausgedehntes Fasten zu einer Feier, während ein viel kürzeres, durch harte Lebensumstände erzwungenes Hungern den Menschen peinigt und ernst gefährdet. Der bloße Kalorien-Materialismus, der den Menschenleib als Verbrennungsmotor und die Nahrung als Heizmaterial auffasst, kann diese tausendfach bestätigte Beobachtung nicht deuten.
Es handelt sich dabei keineswegs um „seltene Ausnahmen“. Heute ist das ärztlich geleitete Heilfasten eine so weitverbreitete Methode, dass Fälle eines dreißig- und vierzigtägigen Fastens in Fülle beobachtet werden konnten: fast immer sind die Faster nach so langer Zeit frisch, unternehmungslustig, geistig weit über das normale Maß hinaus aufgeschlossen und im ganzheitlichen und besten Sinne gesund. Das Gegenteil wäre der Fall, wenn es sich um unfreiwillige Hungernde handeln würde, die bereits nach wenigen Tagen bedrohliche Symptome zeigen.
Was hier von der Nahrungsenthaltung gilt, gilt mindestens im gleichen Maße von der individuellen Kostgestaltung. Auch da gibt es Formen einer schlechthin unverständlichen Lebensweise, die dem, der sich ihr hingab, keinen Schaden brachte. Wir leben heute im Zeitalter der Vitamine und wissen – insbesondere durch die großen ärztlichen Erfolge der vitaminreichen Ernährungstherapie Bircher-Benners – vom hohen Heilwert dieser Ergänzungsstoffe unserer Nahrung bei fast allen Krankheiten. Dennoch sind Fälle einer praktisch vitaminfreien Ernährung ohne Schädigung des Wohlbefindens bekannt.
Es versteht sich von selbst, dass solche Ausnahmefälle niemals etwa zur Richtschnur werden dürfen, aber andererseits zeigen sie auch die enorme Anpassungsform des Organismus an einseitige Kostformen. Gänzlich „unbiologisch“ lebt z.B. der Eskimo, der fast nur Fett, Fleisch und – als kleinen Vitaminzuschuss – den Magen- und Darminhalt seiner Beutetiere verzehrt, wobei er allerdings nur eine kurze Lebensdauer erreicht und keine nennenswerte Kultur hervorbringt. Rein vegetarisch ernähren sich einige Völker Indiens, verschiedene Insulanerstämme und Neger, während weite Volksschichten Japans gewissermaßen neunzigprozentige Vegetarier sind. Der deutsche Arzt Erwin Baelz hat – auf Grund jahrzehntelanger Erfahrungen in Japan – die zähe Ausdauer dieses genügsamen Volkes auf seine einfache, vorwiegend pflanzliche Kost zurückgeführt.
Seelische Zusammenhänge zwischen Ernährungsform und innerer Reaktionsweise können nicht geleugnet werden. Die raschen, sprungbereiten Jägervölker des Nordens verzehren viel Fleisch, die besinnlichen, zur Vergeistigung neigenden Menschen des Südens – Inder, Tibetaner, Perser, Mongolen – bevorzugen die Pflanzenkost. Dass es sich dabei nicht um reine Klimaeinwirkungen handelt, beweisen die Tibetaner, deren Umwelt sich klimatisch von der der Eskimos kaum unterscheidet. Die strengen buddhistischen Orden in Tibet – dessen volkstümlicher Lamaismus im allgemeinen vom reinen Buddhismus weit abirrt – leben fleischlos. Die Hauptnahrung dort droben auf den eisigen Hochflächen des höchsten Gebirges der Erde besteht aus einem Brei gerösteten Getreides, aus Butter und aus gesalzenem Tee. Selbst wenn im Jahreslauf der armen Yak-Hirten hier und da das Fleisch eines geschlachteten Yaks hinzukommt, wird der Bedarf an Vitamin C, das für uns Abendländer in den letzten Jahrzehnten so wichtig geworden ist, nicht gedeckt.


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