Michael-Alexander Lauter
Heimat Kinderheim
Softcover Februar 2025
164 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-172-9
ISBN (E-Book): 978-3-98913-186-6
Heimat Kinderheim
Softcover Februar 2025
164 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-172-9
ISBN (E-Book): 978-3-98913-186-6
In Zügen und per Fahrrad begibt sich Sascha auf die Suche zu den Orten, die er als Kind erlebt hat. Dabei erscheinen die Erinnerungen wie Splitter eines Spiegels, in die er schaut. Manchmal sind sie trüb, dann wieder kristallklar.
Er ist aus unterschiedlichen Gründen in Heime gekommen. In seiner Kindheit musste seine alleinerziehende Mutter die Existenz der Familie sichern, später fuhr sie mit ihrem Ehemann zur Aufbauhilfe in die Volksdemokratische Republik Korea, und schließlich erkrankte sie an Tbc und kam selbst in eine Heilstätte. Stets war sie dabei gezwungen, sich von ihren Kindern trennen.
So verbrachte Sascha viele Jahre in Kinderheimen. Bitterfeld, Pretzsch, Dresden-Pillnitz, Dorfhain, das waren die Stationen seiner Kindheit. Stets musste er sich neuen Bedingungen anpassen. Besonders sein letzter Aufenthalt im Kinderheim Dorfhain eröffnete einen neuen Abschnitt in seinem Leben. So etwas prägt.
Er ist aus unterschiedlichen Gründen in Heime gekommen. In seiner Kindheit musste seine alleinerziehende Mutter die Existenz der Familie sichern, später fuhr sie mit ihrem Ehemann zur Aufbauhilfe in die Volksdemokratische Republik Korea, und schließlich erkrankte sie an Tbc und kam selbst in eine Heilstätte. Stets war sie dabei gezwungen, sich von ihren Kindern trennen.
So verbrachte Sascha viele Jahre in Kinderheimen. Bitterfeld, Pretzsch, Dresden-Pillnitz, Dorfhain, das waren die Stationen seiner Kindheit. Stets musste er sich neuen Bedingungen anpassen. Besonders sein letzter Aufenthalt im Kinderheim Dorfhain eröffnete einen neuen Abschnitt in seinem Leben. So etwas prägt.
Sascha lief, nachdem er ausgestiegen war, mit seinem kleinen Koffer hinunter. Er war nicht sehr schwer. Er enthielt nur das Nötigste, vielleicht auch alles, was Sascha an Sachen besaß. An der ersten Kreuzung musste er sich entscheiden, welchen Weg er einschlagen wollte. Er hatte einen Einweisungsschein mit allen Angaben: Hans-und-Hilde-Coppi-Kinderheim Dorfhain, Höckendorf 246. Links ging es in das eine Dorf, rechts in das andere. Wohin sollte er sich wenden? Verunsichert schaute er auf seinen Zettel, für Höckendorf hatte er eine Hausnummer, für Dorfhain nicht. Also lief er nach Höckendorf.
Das ist ein typisches Taldorf, eine lange Straße, an der sich die Gebäude wie an einer Perlenschnur aufreihen. Von wegen Talstraße! Unaufhaltsam ging es in Serpentinen bergauf, 11 Prozent Steigung, bis er die ersten Häuser erreichte. Sascha lief durch den Ort, aber er fand kein Haus mit dieser Nummer. Dann kehrte er um, immer wieder den Blick auf seinen Zettel gerichtet. Irgendetwas stimmte hier nicht. Er fragte nach dem Kinderheim. In Höckendorf gäbe es keines. Na, schöne Aussichten! Wie sollte er denn bis Mittag dort ankommen? Zu dieser Zeit hatte er sich angekündigt. Panik breitete sich in ihm aus. Da sah er das Gemeindeamt. Er würde hineingehen und fragen, ob sie ihm helfen könnten. Er klopfte an und stellte sich ungelenk vor. Schüchtern fragte er nach dem Kinderheim. „Nein, in Höckendorf gibt es kein Kinderheim.“ Er zeigte seinen Einweisungsschein. „Ach, das Hans-und-Hilde-Coppi-Heim, das ist in Dorfhain.“ Er zeigte auf den Zettel: „Hier steht aber Höckendorf 246.“ Das sei die Telefonnummer des Heims, Höckendorf das Amt. Sie lachten, aber ihm war nicht nach Lachen zumute. Die freundliche Frau beruhigte Sascha. Sie rufe im Kinderheim an, damit man sich dort keine Sorgen mache. Nachdem sie aufgelegt hatte, wandte sie sich ihm lächelnd zu, er werde schon im Heim erwartet. Und wie sollte er jetzt da hinkommen? Er wollte doch den ganzen Weg nicht wieder zurück. „Ich rufe mal beim ABVer an“, sagte sie und telefonierte. Wenige Zeit später kam ein Polizist herein. „Na, worum geht es denn?“ Die Frau erklärte ihm, worum es ging, worauf er sich an Sascha wandte: „Na, dann komm mal mit. Ich fahre dich hin.“ So gelangte Sascha mit „Polizeieskorte“ ins Kinderheim. Das war eine Aufregung, als er ankam, von der Polizei vorgeführt. Sie standen in der Tür, während in der Diele die Kinder lärmend herumliefen, sie waren gerade aus der Schule gekommen. Als sie den fremden Jungen mit einem Polizisten sahen, trat plötzlich Stille ein und viele Augen starrten sie an. Wortfetzen erreichten Saschas Ohr: „Ist der abgehauen?“, „Was hat der denn auf dem Kerbholz?“ Dann rief jemand, man solle Tante Ilse holen. Sie war die Heimleiterin. „Na, da kommt ja unser Herumtreiber“, sagte Tante Ilse fröhlich. Sie lachte, bedankte sich beim Polizisten und stellte Sascha vor. Erklärte auch seine kleine Odyssee und dass alles in Ordnung sei.
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