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Herbert Fritsche
Heilkundliches aus drei Jahrzehnten
2. Auflage

Taschenbuch Januar 2026
338 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-242-9


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In 24 Beiträgen zum Teil größeren Umfangs gibt uns Herbert Fritsche hier nicht nur vertiefende Einblicke in das Wesen der Homöopathie, sondern auch ganz praktische Hinweise, wenn es um „Verdauungsstörungen als Lehrmeister“ oder um die Anwendung „Der vier Elemente in der Krankenbehandlung“ geht. Er berichtet vom „Heilmagnetismus, einst jetzt und immerdar“, über die Heilkunst der Außenseiter und den asiatischen Einflüssen, spricht vom Arzt und den Zivilisationsschäden, nicht ohne einen Ausweg aus dem Dilemma zu benennen und geht ausführlich auf die spagyrische Arznei ein. Das alles und noch viel mehr finden Sie in diesem „heilkundlichen Lesebuch“. Eine echte Bereicherung für jeden, der tiefer in dieses Gebiet eindringen möchte.
DIE KARDINALFRAGE DER HEILKUNST
Ein Beitrag zur Theorie der Praxis

Im ersten Paragraphen seines „Organon der Heilkunst“ sagt Hahnemann: „Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesundzumachen, was man Heilen nennt“ – ein Satz, dem niemand widersprechen wird. Um gesund machen zu können, muss man wissen, was Gesundheit ist. Die Frage nach der Gesundheit ist damit die Kardinalfrage der Heilkunst überhaupt und steht am Anfang jedes ärztlichen Handels.
Es lässt sich nachweisen, dass sie nur theoretisch beantwortet werden kann, dass aber ohne diese theoretische Vorbesinnung jede befriedigende Praxis unmöglich ist. Bier hat einmal am Beispiel der Antisepsis gezeigt, „wie töricht sogenannte Praktiker handeln, wenn sie in hochmütiger Geringschätzung auf die Theorie blicken“. Er meint, die bloße Empirie, ästhetische Gefühle und andere Erwägungen des ärztlichen Alltags hätten eigentlich ausreichen müssen, die peinlichste Sauberkeit bei der Behandlung von Wunden zu fordern. Aber „es bedurfte erst des ungeheuren Umweges über eine bakteriologische Theorie, um zu dieser einfachen Praxis zu gelangen“.
So scheint auch die Frage nach der Gesundheit sich dem unproblematischen Empiriker ganz von selbst aus Augenschein und Aussage zu beantworten, obwohl schon ein Blick in die Geschichte der Medizin lehrt, wie verschiedenartig sie zu verschiedenen Zeiten wirklich beantwortet wurde. Einer liberalistischen Ära ist der gesunde Mensch der genuss-, einer heroischen der leistungsfähige Zeitgenosse. Die Gesundheit eines Kant bestand darin, dass er „durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu sein“ vermochte, wie es im Titel seiner Hufeland gewidmeten Spätschrift heißt, während umgekehrt viele Menschen allein denjenigen Zustand gesund nennen, der die biologischen Vorgänge nicht vom Intellekt und Willen her beirren lässt. Es ist auch für die unmittelbare Praxis ein großer Unterschied, ob man etwa unter einem Gesunden einen Menschen versteht, der die Kraft aufbringt, innere Konflikte zu überwachsen, oder einen, der diese inneren Konflikte jederzeit aufzusuchen, freizulegen und abzutragen bereit ist:

Niemand kann ein Ziel erreichen, das er nicht kennt. Kenntnis vom Bild und Wesen der Gesundheit kann u.U. für das therapeutische Handeln wichtiger sein als Kenntnis der Pathologie. Dem schwerkranken Bismarck stellte Frerichs, damals die unantastbare Autorität des medizinischen Berlin, die Diagnose Leberkrebs. Schweninger, der vielleicht kein bis ins Letzte geklärtes Bild vom Leberkrebs, wohl aber von der Gesundheit hatte, wagte sich trotz der verzweifelten Lage an die Behandlung und verlängerte Bismarcks Leben um zwei Jahrzehnte . Damit ist nichts gegen die Notwendigkeit der genauen Diagnose gesagt, jedoch auf die mindestens ebenso große Notwendigkeit des Wissens um die Gesundheit hingewiesen.
Als im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts die romantischen Ärzte mehr und mehr den Boden des greifbar Wirklichen unter den Füßen verloren hatten, kam als Reaktion eine Verpönung der ärztlichen Philosophie in Mode, deren Nachklang noch nicht überwunden ist. Da man nicht mehr sinnen, sondern forschen, nicht mehr schauen, sondern sammeln wollte, ließ man allmählich den statistischen Begriff „Durchschnitt“ an die Stelle dessen treten, was ehedem „Norm“ hieß. Der „normale Mensch“ galt zugleich als der Gesunde und entsprach dem Durchschnittsbefund. Das genügte dem Geist naturwissenschaftlicher Exaktheit völlig, denn wie will man anders fassen und finden, was „normal“ ist, wenn man es nicht aus dem Durchschnittsbefund ermittelt. Man müsste denn abermals spekulieren, philosophieren und idealisieren, womit man sich nicht nur vom Boden der Tatsachen entfernt, sondern außerdem bestenfalls „blasse Abstrakta“ findet statt blutvollen Lebens.
Auch heute wird vielfach stillschweigend Norm gleich Durchschnitt gesetzt. Einen anderen Weg, auf naturwissenschaftliche Weise zu einem Bild des gesunden Menschen zu kommen, gibt es nicht. Wir müssen prüfen, wie weit man damit kommt:
Der Durchschnitt der Dreißigjährigen hat ein schadhaftes Gebiss. Aber ist das ein „normales dreißigjähriges Menschengebiss“? Und wenn man sich wirklich einigt, die Wörter „durchschnittlich“ und „normal“ synonym zu gebrauchen, ist es dann ein „gesundes“ Gebiss?
Durchschnittlich weist der Organismus eines fünfzigjährigen Mannes allerlei deutliche Abnützungserscheinungen auf. Zur Not kann der Arzt ihn trösten: „Das ist ganz normal.“ Aber gesund?
Was ist Gesundheit? Wir verschieben die Frage nur, wenn wir antworten, Gesundheit sei der menschliche Normalzustand – und die Antwort wird sogar unsinnig, wenn wir Norm gleich Durchschnitt setzen.


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