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Robert Pietschmann
Geschichte vor Ort - Handbuch zum Einstieg


Taschenbuch August 2021
123 Seiten | ca. 21,0 x 29,7 cm
ISBN: 978-3-96014-833-3


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€ 24.90 *
Wie lernt man Geschichte am besten kennen? Es gibt mehrere Möglichkeiten, aber die anschaulichste ist die Architektur. Sie umfasst Häuser, Gebäude, Kirchen und Burgen, aber auch Mühlen, Brücken und mehr. Existierende Beispiele können oft mehrere Jahrhunderte alt sein, nicht nur bei Burgen und Kirchen, sondern auch aus der Zeit der Römer vor über 1900 Jahren oder der Zeit der Franken vor 1400-900 Jahren existieren anschauliche Beispiele. Reichhaltiges Bildmaterial zeigt Übersichten und Einzelheiten. An ihren Bauinschriften und der Jahreszahl lassen sich Informationen über die damalige Zeit erfahren. Ein guter Einstieg, abwechslungsreich und interessant. Eine gute Überleitung zu Personen und Ereignissen in jedem Jahrhundert. Mit den Römern kam um Christi Geburt nicht nur der Weinbau, sondern auch das Christen- und Judentum zu uns.

Es geht weiter in der Zeit über die Völkerwanderung zur nachfolgenden Epoche der Merowinger und anschließenden Karolinger, gemeinhin als Franken bezeichnet. Wir lernen Klöster kennen, die im 6. Jahrhundert unter der Herrschaft von Childerich und seinem Sohn Dagobert, Herrscher von Austrasien mit der römisch gegründeten Hauptstadt Metz erbaut wurden. Das Christentum wurde gefördert und reiche Schenkungen durch Dagobert I. an das Bistum Worms (wiederum aus Römischer stammend) oder später unter Pippin und seinem Sohn Karl dem Großen blüht das Christentum auf. Im 11. und 16. Jahrhundert spaltet es sich selbst auf.

Durch die Jahrhunderte gibt es bauliche Veränderungen, an denen man die im 19, Jahrhundert so benannten Bauepochen kennenlernt. Ein einfaches Haus in einem Dorf kann ebenso viel aussagen wie eine Kirche in einer Stadt. Wir erreichen schließlich das 11./12. Jahrhundert, Zeit der Salier und nachfolgenden Staufer; Zeit der Burgen und Städte. Auch hier zeigen uns viele Bilder heute noch existierende Zeitzeugen, weisen auf Ereignisse und Personen hin. Der Weg führt uns weiter in die Zeit, als Feuerwaffen den Krieg zu beherrschen begannen, auch diese Kriege und Auseinandersetzungen sind Teil der Geschichte, damals wie heute. Jeder große Krieg wurde mit dem festen Vorsatz beendet, dies nie wieder geschehen zu lassen. Wir sehen dass Geschichte sich auch wiederholt und könnten daraus lernen. Werden wir jemals über unseren Schatten springen können?
Acht Kapitel bilden den Kern des „Handbuchs zum Einstieg“. Es ist praktisch und unkonventionell gestaltet: Quellenangaben und weiterführende Informationen (mit Internet-Adressen) auf jeder entsprechenden Seite ermöglichen es dem/der Leser/*in, in jedem Punkt tiefer in die Geschichte einzusteigen. Querverweise zu interessanten Punkten in anderen Kapiteln und ein Register speziell verwendeter Begriffe ergänzen die gezielte Handhabung.
Seite 15:
Bauen und Gebäulichkeiten – Schutzköpfe und Schreckgestalten
Seite 15
Sowohl in Fachwerk wie auch in Werksteinbauweise kommen an den unterschiedlichsten Gebäuden sogenannte „Gaff- Schreck-, Bleeker-, Spottoder Fratzenköpfe“ vor. Oft furchtbar aussehend, sollen sie das Böse abschrecken und Unbill fernhalten. Sie erscheinen teils sehr menschlich,
sind aber auch grotesk verzerrt. In den Laibungen von Fenstergewänden der Gotik (siehe Seite 22) finden sich Tierfiguren, eidechsenartig oder
mit menschlichen Köpfen; auch sie sind als Schutzgeister zu sehen. Selbst am Fuße eines Gebäudes, mehrheitlich bei Kirchen, können solche
Wesen in verschiedener Ausführung platziert sein.
Besonders ausgebildet findet sich die Schutzbestimmung an Kirchen, meistens in Form der Wasserspeier, an den Dachrändern der Langhäuser,
des Chors sowie des Kirchturmes. Der Übergang zur reinen Ornamentik (siehe Seite 16) ist fließend. Dessen ungeachtet sind diese Schutzköpfe
und Wesenheiten eine reiche Quelle der Inspiration durch die Jahrhunderte. In einigen Fällen haben sich auch Baumeister in solchen Formen
verewigt, denn einige der Köpfe haben nahezu menschliche Züge und sie reichen bis in die Neuzeit hinein!
Auch an Burgen und Schlössern sowie Wehreinrichtungen finden sich solche Fabelgesichter und Gestalten. Besonders in der Bauepoche der
Romanik treten aber auch groteske Wesen auf, die einer unbekannten Welt entsprungen zu sein scheinen. Sehr eindrucksvoll zu sehen ist das
zum Beispiel an der ehemaligen Stiftskirche St. Gallus in Brenz dargestellt(1)
. Die Kirche wird unterhalb der Dachkante komplett von einem Zyklus
aus 144 Figuren, Wesen und Köpfen umschlossen.

Seite 25:
Zwischendurch – II – die Römer
Nach der Rückeroberung der rechtsrheinischen Gebiete wurde bis 110 der Limes erbaut, in
unserer Breiten Odenwaldlimes genannt. Es gibt Rekonstruktionen und auch systematische
Erfassungen des einstigen Verlaufs. Die Wachtürme waren zunächst aus Holz, wurden aber
später mit Steinbasis und Holzaufsatz ausgeführt. Die Türme standen in Sichtweite
zueinander und hatten 5-8 Mann Besatzung. Zwischen den Türmen verlief eine Holzpalisade.
Davor, nach Osten, war ein mehrere Hundert Meter breiter Streifen abgeholzt worden, um
jedwede Annäherung rechtzeitig zu erkennen. Hinter dieser Postenlinie (mehr war der Limes
nicht) lagen in Abständen Kleinkastelle mit etwa 50 Mann und Reiterei besetzt. Von hier
wurden die Besatzungen der Limestürme regelmäßig abgelöst. Noch weiter im Hinterland
waren große Kohorten-Kastelle (jeweils 500 Mann und verstärkte Reiterei), die innerhalb
einer Stunde an den entsprechenden Brennpunkten eingreifen konnten. An bestimmten
Stellen waren Übergänge eingerichtet, durch welche befreundete „Barbaren“ aus dem Osten
zwecks Handelsbeziehungen passieren konnten. Im Allgemeinen war die Situation durchaus
entspannt, erst als der Druck auf die Germanen selbst von den aus dem Osten
nachdrängenden Franken und Alemannen größer wurde, änderte sich das.
Weitere Informationen siehe unter Stichwort Limes bzw. Odenwaldlimes, römisches Militär(1).

Seite 50:
Städte - Ausbau
Durch die ab dem späten 14. Jahrhundert die Kriegsbühne betretenden Feuerwaffen (siehe Seite 98) mit deren rasanter Entwicklung und immer
höherer Einschlagsgeschwindigkeit waren die bisherigen Befestigungsweisen schnell veraltet. Man musste die Mauern nicht nur verstärken, sondern
auch ganz neue Mauertechniken und Türme für die eigenen Feuerwaffen entwickeln (siehe Seite 14). Dass dies enorm teuer war, versteht sich von
selbst. In der steigenden Kontroverse zwischen verschiedenen Grundherren war es für Städte allerdings überlebenswichtig, einen zeitgemäßen
Schutz zu haben. Es wurden neue Vorwerke und Geschütztürme vor die älteren Stadtmauern gebaut, die Gräben erweitert und die Stadttore
ebenfalls mit starken Vortoren versehen, die auch eigene Feuerwaffen beherbergten. Bei einer Belagerung war es wichtig, zuerst das Instellunggehen
der gegnerischen Artillerie zu verhindern oder ihr dabei größtmöglichen Schaden zuzufügen.
Liefen die Geschäfte gut und die Zahl der Bürger nahm zu, dann war die Erweiterung der Stadt angesagt. Das neue Stadtviertel (“Vorstadt“ genannt)
musste allerdings ebenso stark befestigt werden wie die bisherige Stadt. Gelang es nämlich bei einer Belagerung in eine schwächer befestigte
Vorstadt einzudringen, dann kam es zum Häuserkampf innerhalb der Stadt, welcher meist das „Aus“ für dieselbe bedeutete.

Seite 74:
Glaube und Kirche – Die Kirche als Gebäulichkeit
Seite 74
Man liest und hört in Bezug auf Kirchen die Begriffe „geostet“ oder „orientiert“. In beiden Fällen ist das ein und dasselbe, nämlich die
Längsausrichtung der Kirche. Eine (katholische) Kirche ist generell von West nach Ost ausgerichtet und der heiligste Raum der Kirche, das Chor,
ist im Osten (Sonnenaufgang), daher „geostet“. Die Himmelsrichtung gen Osten nannte man früher auch „gen Orient“, woraus sich der Begriff
„Orientiert“ herleitet.
Kirchen bestehen aus einem Langhaus(1)
oder Kirchenschiff und dem Chor(1)
. Ein Kirchturm muss nicht unbedingt vorhanden sein, es kann auch
ein sogenannter „Dachreiter“ mit einer kleinen Glocke zum Läuten dienen. Wenn ein Kirchturm vorhanden ist, kann dieser im Westen angebaut
sein und man nutzt dann das als Eingangshalle dienende Erdgeschoß als weiteren Zugang in das Langhaus. Steht der Kirchturm im Osten, so
spricht man von einem „Chorturm“, da das Erdgeschoß als Chorraum dient. Bei manchen Kirchen wurde der Kirchturm erst in späteren
Jahrhunderten hinzugebaut, oder er wurde neu „aufgeführt“ und ersetzte einen früheren, möglicherweise noch aus der romanischen Bauepoche
(siehe Seite 20ff) stammenden Turm.
Das Langhaus oder Kirchenschiff kann vom Bautyp her gesehen, als Hallenkirche(1)
oder als Basilika(1)
ausgebildet sein: Letztere definiert sich
dadurch, dass das Langhaus zwei niedrigere Seitenschiffe im Süden und Norden besitzt, selbst höher als diese ist und eigene Fenster
„Obergaden“
(1)
genannt, trägt. Man beachte: Der kirchliche Ausdruck „Basilika Major oder Basilika minor“ hat nichts mit dem architektonischen
Begriff Basilika zu tun! Im Inneren des Langhauses betritt man, von Westen kommend, durch den Triumphbogen(1)
, dann das Chor mit dem Altar.
Die Dimensionen sind je nach Kirche oft sehr verschieden, das Grundprinzip aber ist stets das gleiche. Erst in neuerer Zeit gibt es Abweichungen
davon (siehe Seite 75).
Der Hauptzugang in das Langhaus befindet sich normalerweise auf der Südseite, bei großen Kirchen kann es auch zwei davon geben.

Seite 82:
Glaube und Kirche – Kirchenburgen
Ab der Seite 76 treten verschiedentlich Bilder mit Hinweisen auf eine früher „feste und wehrhafte Natur“ auch bei Kirchen und Kirchhöfen auf. Auf
den Reisen haben wir über 2000 (Zweitausend!) Anlagen besucht, mehrheitlich ist die wehrhafte Natur nur noch an Resten erkennbar, aber sie ist
es! Dies ist ein Umstand, der allgemein nicht gerade weitreichend bekannt ist oder bekannt gemacht wurde: Kirchenburgen gibt es auch bei uns, hier
in Deutschland und nicht nur „eine Handvoll“, wie in einigen Werken der sogenannten Fachliteratur unserer Zeit des 20./21. Jahrhunderts vermerkt
ist. Auch der verbreitete umgangssprachliche Begriff der „Kirchenburg“ wurde vor Ort in Form von Gewann- und Straßennamen aufgefunden.
Erste Anfänge sind im 10. Jahrhundert zu fassen, als Kaiser Otto der I. anordnete, die Dorfkirchen im heutigen Franken zu befestigen, um der
Ungarngefahr zu begegnen (siehe Seite 100ff). Später waren regionale Auseinandersetzungen die Ursache, dass man das nackte Leben und den oft
in der Kirchenburg gelagerten Zehnten für den Grundherrn aus der Kirchenburg heraus schützte. Da dieses Thema ein ganzes Buch füllen würde
und dazu auch schon einige fotodokumentarische Ausarbeitungen aufgrund der vorgefundenen Fakten erstellt wurden, wird dieses Thema hier nur
kurz auf zwei Seiten, aber mit deutlichen Bildbelegen dargestellt!
Im bereisten Gebiet waren noch bei über 500 Kirchenanlagen anschauliche Reste, bei über 1000 noch Reste und bei nahezu 1000 entsprechende Spuren und Hinweise aufzufinden. Die ausführlichen fotoddokumentarischen Arbeiten zu diesem Thema sind online einsehbar in der
Universitätsbibliothek Heidelberg(1,2,3.4)
bzw. in Wikimedia(5,6)
1)-Kirchenburgen (sowie Wehrkirchen und Pfleghöfe) in Baden-Württemberg. Teil 1: Nördlicher Bereich. Darstellung des erhaltenen Bestandes in den Jahren 2004-2008;
Pietschmann, Dieter-Robert; URL: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/volltexte/2008/653;
2)-Kirchenburgen (sowie Wehrkirchen und Pfleghöfe) in Baden-Württemberg. Teil 2: Mitte. Darstellung des erhaltenen Bestandes im Jahre 2009; Pietschmann, Dieter-Robert;
URL: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/volltexte/2009/896;
3)-Kirchenburgen (sowie Wehrkirchen und Pfleghöfe) in Baden-Württemberg (und Umgebung). Teil 3: Darstellung des erhaltenen Bestandes im Jahre 2010;
Pietschmann, Dieter-Robert; URL: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/volltexte/2010/1452;
4)-Kirchenburgen (sowie Wehrkirchen und Pfleghöfe) in Baden-Württemberg (und Umgebung). Teil 4: Darstellung des erhaltenen Bestandes im Jahre 2011;
Pietschmann, Dieter-Robert; URL: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/volltexte/2011/1664;
5)-Photodokumentation der Kirchenburgen im Bundesland Hessen; Pietschmann, Dieter-Robert; 2014;
www.commons.wikimedia.org/wiki/File:Photodokumentation_der_Kirchenburgen_im_Bundesland_Hessen.pdf
6)-Photodokumentation der Kirchenburgen im Bundesland Hessen; Pietschmann, Dieter-Robert; 2014;
www.commons.wikimedia.org/wiki/File:Photodokumentation_der_Kirchenburgen_im_Freistaat_Bayern_(Band_I).pdf




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