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Christine Doris Schmidt
Friedrich Hölderlin – Mein Ahne neu entdeckt
Nachfahrin präsentiert Überraschendes aus historischen Quellen

Festeinband März 2024
328 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-082-1


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€ 29.90 *
Der schwäbische Dichter Friedrich Hölderlin war zeitlebens ein Opfer von Verleumdungen und übler Nachrede, als Pfarramtsverweigerer insbesondere ein Opfer der Kirche. Die daraus entstandene, verzerrte Wahrheit über Hölderlin als ein Mensch wie du und ich, die sich bis heute in den Köpfen der Menschen hält, wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts durch konsequentes Missachten und Verschweigen von belegten Tatsachen aufrechterhalten.
Die Autorin und Nachfahrin Hölderlins mütterlicherseits, Christine Doris Schmidt, war im Rahmen der langjährigen Ahnenforschung ihres Großcousins, Volker Faas, und nach eingehender Studie ihr verfügbarer Literatur, Briefe, Zeitzeugenberichte, Dokumente und Kirchenbücher sowie dank mündlicher Überlieferungen der Vorfahren bereits ab Mai 2020 zu neuen Erkenntnissen über Hölderlin und seine liebe Mutter gekommen, die sie seitdem in ihrem Buch detailliert verarbeitet und aus einer sehr persönlichen, familiären Perspektive so darstellt, als schriebe sie über ihren großen Bruder. In Hölderlin sieht sie in erster Linie nicht den Dichter, sondern ein Familienmitglied, das dicke Wollsocken hasste und Kaffee sowie Tabak in allen Variationen umso mehr liebte. Zudem ist Hölderlin für sie auch ein Seelenverwandter aufgrund erstaunlicher Parallelen in ihrer beider Leben, die genau zweihundert Jahre trennen.

Schließlich haben sich hauptsächlich drei Themen herauskristallisiert, die hier von der Autorin eingehend besprochen werden:

Hölderlin war nicht unheilbar wahnsinnig, litt weder an Schizophrenie noch an einer anderen Geisteskrankheit. Er war vielmehr durch die Kriegswirren, Schicksalsschläge und die Folter in der Tübinger Nervenklinik traumatisiert. In ihrem Buch zeigt Christine Doris Schmidt die wahren Hintergründe seiner Entführung und Zwangseinweisung in die Psychiatrie. Dazu lässt sie Hölderlin immer wieder persönlich in seinen Briefen zu Wort kommen. Wer wollte ihn als Dichter vernichten? Welche Personen hatten ihn aus welchen Gründen hinterrücks verraten und dem Staate Württemberg sowie der Kirche ausgeliefert? Das Konsistorium mochte ihn nämlich "beim Kopf kriegen", wie sich Hölderlin in einem seiner Briefe ausdrückte.

Hölderlin war nicht geistig umnachtet. Die Briefe seines Pflegevaters Ernst Zimmer und dessen Tochter Lotte, die Hölderlin bis zuletzt umsorgte, und des Turmbesuchers Christoph Theodor Schwab, der Hölderlins Grabrede hielt, geben interessante Einblicke in Hölderlins Alltag im Turm. Nach Auswertung des Obduktionsberichts von 1843 liefern ferner auch die Erkenntnisse des Arztes und Pharmakologen Dr. med. Reinhard Horowski wegweisende Informationen über Hölderlins tatsächlichen Gesundheitszustand und die eigentliche Todesursache.

Hölderlin hatte keine uneheliche Tochter. Die Antwort auf die Frage nach dem wahren Vater des unehelichen Kindes der Gesellschafterin Wilhelmine Kirms liefert einzig und allein die Familie von Kalb mit ihren heimlichen Machenschaften, Intrigen und tatsächlichen Hurereien, die noch weitere Schandtaten ans Licht brachten. Unter Berücksichtigung der strengen Sittengesetze des 18. Jahrhunderts beschreibt die Autorin die genaue Vorgehensweise der Charlotte von Kalb, die einen ganz persönlichen Grund hatte, mithilfe des Kaufmannes Ernst Schwendler ausgerechnet der Hofrätin Heim in Meiningen Hölderlin als vermeintlichen Kindsvater zu präsentieren.

Die Ahnenforschung ihres Großcousins Volker Faas ergab bisher, dass sie zusammen mit Hölderlin auch mit Theodor Heuss und König Frederik X. von Dänemark (väterlicherseits) verwandt ist. Das Buch enthält eine ausgesuchte Bildergalerie ihrer schwäbischen Wurzeln, vor allem ihrer Stammbäume mit allen prominenten Persönlichkeiten, die für andere Ahnenforscher interessant sein könnten.

Zu Hölderlins 250. Geburtstag im März 2020 sprach Christine Doris Schmidt in der SWR Sendung "Ich trage einen großen Namen" über das traurige und ungerechte Schicksal ihres sehr gläubigen, freiheitsliebenden und demokratisch gesinnten Vorfahren, dessen hauptsächlich von Friedrich Schiller 1794/95 in Jena geförderte Karriere als junger, aufstrebender Dichter durch die politisch und besonders kirchlich motivierte Entmündigung und Zwangseinweisung in die Nervenklinik in Tübingen jäh beendet wurde. Hölderlin und seine Mutter gehörten dem Pfarradel an, deshalb sollte Hölderlin natürlich ebenfalls Pfarrer werden. Da er jedoch zeitlebens die bodenständige und ehrbare Kirchenlaufbahn verweigerte, nie heiraten wollte und sich ausschließlich auf seine Dichtung konzentrierte, versuchte man, ihm die Poesie mit Gewalt aus dem Kopfe zu treiben und ihn zu brechen. Auch wenn Hölderlin zur Strafe für seinen Ungehorsam gegenüber der Kirche als unheilbar wahnsinniger Dichter in die Geschichte einging, hatte er seinen lebenslangen Kampf mit der Kirche dennoch gewonnen, weil er sich nie hatte verbiegen lassen und er noch heute als Dichter nicht vergessen ist.
Als Verwandte Hölderlins sieht Christine Doris Schmidt es nicht nur als ihre Pflicht an, das gängige Hölderlinbild zurechtzurücken. Es ist ihr geradezu ein Bedürfnis, Hölderlins Ehre und die seiner Familie wiederherzustellen und sein Andenken zu bewahren.

"Mein Vorfahre Friedrich Hölderlin hat als Verfechter der Demokratie und Freiheit und besonders als prominentes Opfer der Kirche einen erstaunlich aktuellen Bezug zu heute."

Christine Doris Schmidt
www.christinedschmidt.eu
Inhalt

Vorwort S. 9

Hölderlin – Mein Seelenverwandter S. 16

Hölderlin – Ein Mann von Grundsätzen:
Warum wollte Hölderlin unbedingt Dichter werden? S. 50
Hölderlin war nicht wahnsinnig. S. 87
Hölderlin war nicht geistig umnachtet. S. 139

Hölderlin und die Frivolitäten seiner Zeit:
Hölderlin hatte keine uneheliche Tochter. S. 154
Wie kam Hölderlin als Hofmeister nach Waltershausen? S. 232
Hölderlin und die Liebe S. 259

Stammbaum – Unsere schwäbischen Wurzeln S. 286

Bildverzeichnis S. 290

Quellenverzeichnis S. 296

Danksagung S. 304


Vorwort

Mein Verwandter, der Dichter Friedrich Hölderlin, passte hier auf Erden in keine Schublade. Besonders deutlich hatte mir Hölderlin das in seinen Briefen vor Augen geführt, als ich begann, mich in sein Leben und Wirken, Denken und Fühlen einzulesen.
Hölderlin war wie ich und viele unserer gemeinsamen Vorfahren sehr gläubig. Er stammte aus einer Pastorenfamilie, die zum Pfarradel(1) gehörte, und sollte wie sein Großvater, Johann Andreas Heyn(2), Pfarrer werden. Seine Mutter Johanna, meine Blutsverwandte, musste demnach ihrem Vater versprechen, ihren erstgeborenen Sohn der Kirche zuzuführen und hatte dann bereits bei Hölderlins Einschulung die entsprechenden Weichen gestellt. Hölderlin selbst wurde nicht gefragt und war von Geburt an unfrei. Als integrer Mann mit Prinzipien, treuer Freund und Weggefährte, Liebender, Familienmensch und gebildetes, gesittetes Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft hatte Hölderlin die ihm vorgezeichnete Kirchenlaufbahn nicht akzeptiert und war seinen eigenen Weg gegangen, von einem Meilenstein zum anderen zur Vollendung(3) seiner Seele, wie Hölderlin seinen Lebenswunsch sinngemäß ausdrückte – einen Weg, zu dem er sich von Gott berufen fühlte. Doch mit seinem damals sehr kühnen, poetischen Alleingang im streng pietistischen Herzogtum Württemberg des 18. Jahrhunderts war Hölderlins düstere Zukunft seit seiner frühen Jugend bereits besiegelt, noch ehe ihm tatsächlich bewusst wurde, wie gefährlich das Glatteis für ihn werden würde, worauf er sich mit seinen ehrgeizigen Zielen unbeirrbar begeben hatte.
Dichter werden! Das war das dringendste Bedürfnis des jungen und kraftvollen Hölderlin, um Gott zu erfahren und auch den Mitmenschen das Göttliche in seinen Werken auf seine Weise näherzubringen. So wie Gott ihn schuf, mit all seinen künstlerischen, besonders musikalischen und sprachlichen, Talenten, mit seiner Empfindsamkeit und Klugheit, Empathie und Liebe, die ich persönlich als besondere Gaben und Fähigkeiten ansehe, trat Hölderlin seinen Lebensweg an. Auf die Welt war er neugierig und gespannt und wagte es, erwartungsvoll über seinen schwäbischen Tellerrand zu blicken, was den streng konservativen Menschen in seiner Heimat missfiel. Zumindest anfangs taten sie seine Ambitionen noch als kindliche Träume, Spielereien und jugendlichen Leichtsinn ab, bis ihnen gewahr wurde, dass es der längst heiratsfähige Hölderlin nach Abschluss seines Theologiestudiums mit dem Dichten mehr als ernst meinte, nämlich die Kunst als seine berufliche Hauptbeschäftigung und als seinen einzig wahren Lebensinhalt zu sehen. Mit Tinte, Feder und Papier bewaffnet rang er um seine Existenz als Dichter gegen alle Widerstände und verweigerte bis zuletzt das bodenständige Amt des Pfarrers. Sein vom Himmel auferlegtes Schicksal auf Erden schien demnach tatsächlich der lebenslange Kampf mit der evangelischen Kirche gewesen zu sein – so komme ich letztlich zur Einsicht – eine Prüfung und Lebensaufgabe, auf die sich Hölderlin ausschließlich konzentrierte. Gerade weil er dem Ruf Gottes zum Dichter folgte, konnte er sich in seinem Leben verständlicherweise unter keinen Umständen der Tyrannei der Kirche und des Staates sowie den gesellschaftlichen Konventionen unterwerfen, die ihm und seiner poetischen Entfaltung nur hinderlich gewesen wären. Aus diesem Grund lehnte Hölderlin nicht nur den sicheren Brotberuf des Pfarrers kategorisch ab, sondern auch die damit einhergehende Verpflichtung zu heiraten und eine Familie zu gründen. Darüber hinaus stand Hölderlin zusammen mit seinen Kommilitonen als Anhänger der Demokratie(4) mit dem Herzog von Württemberg heimlich auf Kriegsfuß, der den Tübinger Stipendiaten des Evangelischen Stifts beinahe schon unmenschlich strenge Statuten(5) auferlegte und sie mithilfe des Konsistoriums auf rabiate Weise durchsetzte. Sicherlich wäre es zu waghalsig gewesen, wenn Hölderlin seinen Unmut jederzeit unverhohlen und öffentlich kundgetan hätte. Er beklagte sich aber in seinen Briefen bei der Mutter und nutzte anfangs jede Gelegenheit, um ihr schonend beizubringen, dass er sein Theologiestudium abbrechen und wie sein Vater(6) Heinrich Hölderlin in Tübingen lieber Jura(7) studieren wolle. Immer wieder ließ er sich von der Kirche beurlauben, um Auslandserfahrungen zu sammeln und zeitweise als Hauslehrer sein eigenes Geld zu verdienen. Eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit war die Voraussetzung, um sich die nötigen Freiräume zum Dichten zu schaffen und in den literarischen Zirkeln und Clubs der klugen Köpfe bekannt zu werden. Hölderlin wusste, wie man sich ein gesellschaftliches Netzwerk fernab der Heimat aufbaute, deshalb stand er auch mit vielen Freunden, Bekannten und Kollegen in regem Briefkontakt. Doch wie uns die Vergangenheit zeigt, waren seine Bemühungen leider erfolglos, sich der unnachgiebigen Kirche Württembergs ohne viel Aufhebens elegant zu entziehen.
Was auch immer Hölderlin körperlich und seelisch erleiden musste, sein Schicksal schien von Gott gesegnet. So hatte es Hölderlin mit seinem unverbrüchlichen Gottvertrauen wohl gesehen und letzten Endes damit seinen Frieden gemacht.
In Hölderlins zweiten Lebenshälfte, nach seinem durch die gnadenlose Kirche erzwungenes Martyrium in der neu gegründeten Tübinger Nervenklinik des Dr. Autenrieth, das ihn wohl schwer traumatisiert haben musste und ihm auch körperlichen Schaden zufügte, fühlte er sich bei seiner Tübinger Pflegefamilie in seinem Turmzimmer mit Neckarblick Briefen des Schreinermeisters Ernst Zimmer(8) und seiner Tochter Charlotte ("Jungfer Loddle"(9)) zufolge sehr wohl und beinahe schon geborgen. Bis zuletzt blieb bei meinem armen Vorfahren aber die Todesangst vor seinen Peinigern, das tiefe Misstrauen gegenüber der Kirche und der begründete Zweifel an seinen ihm nicht wohlgesonnenen Mitmenschen, den "Barbaren" (aus Hyperion), die ihm zuvor übel mitgespielt hatten.

Quellen:
1 Pierre Bertaux, Friedrich Hölderlin – Eine Biographie, 2000, S. 42
2 Unser Stammbaum von Volker Faas, www.ancestry.volkerfaas.de
3 Große Stuttgarter Ausgabe, 6-1, S. 263
4 Adolf Beck, Hölderlin – Chronik seines Lebens, S. 42
5 Adolf Beck, Hölderlin – Chronik seines Lebens, Notizen von S. 39, 40 und 41
6 Adolf Beck, Hölderlin – Chronik seines Lebens, S. 11
7 Adolf Beck, Hölderlin – Chronik seines Lebens, S. 31
8 Scheuffelen/Wagner-Gnan, "… die Winter Tage bringt Er meistens am Forte Piano zu...", Nürtingen, 1989, Titelblatt
9 Overath/Wittkop, Von der Realität des Lebens – Hir das Blatt, Berlin, 1997, S. 23

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