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Michaela Dane, Miguel Corty
El Conde
De Medina in Epsilon Cygnus

Taschenbuch Dezember 2020
321 Seiten | ca. 11,8 x 18,8 cm
ISBN: 978-3-96014-779-4


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Auch im 22. Jahrhundert ist die Welt noch nicht perfekt. Die Menschheit kann sich nur dank der überlegenen ökologischen Biologie der befreundeten Aschgarer vom Planeten Shedir ernähren.
Als plötzlich Signale im fernen Sternbild des Schwans aufgefangen werden, die auf das Vorhandensein einer weiteren intelligenten Spezies deuten, bekommt der lebensfrohe Spanier De Medina den Auftrag, den führenden Xenobiologen Shen von Shedir vor einer drohenden Katastrophe zu retten. Doch bald müssen beide erkennen, dass der eigentliche Feind von ganz wo anders seine Netze spinnt ...


Die Biologin Dr. Dane und der Arzt Dr. Corty betreiben seit 30 Jahren eine Finca in Spanien mit dem Ziel, autonom leben zu können und naturwissenschaftliche und medizinische Studien voranzubringen. Wichtig ist für sie dabei, in Harmonie mit der Natur leben und neue Perspektiven für eine bessere Zukunft zu schaffen.
Shedir, 2. Tag des Lan Sha

Der Anfang unserer Geschichte, die wir fortan gemeinsam durchleben durften, begann für Shen mit einem Besuch seiner Mutter. Er empfing sie im Garten seines Hauses bei Shagarun. Der süße Duft des exotischen Gartens lag schwer und betäubend in der lauwarmen Sommerluft und Scharen von bunten Fluglurchen erfüllten die Stille mit munterem Gurren. Die blauen, türkisfarbenen und hellgrünen Blätter der sumpfigen Vegetation bildeten ein dichtes Dach, unter dem sich im wohltuenden Schatten der Rosenbäume und Kletterfarne die beiden angespannt gegenübersaßen.

Unter anderen Umständen hätte der junge Mann seine Freude an diesem Sommermond Lan-Sha gehabt, und hätte vielleicht versucht, den „Gesprächen“ der Tiere zu folgen und sich von seinem letzten Monat im Chaos der Dozententätigkeit auf der Erde zu erholen. Aber mit seiner Mutter Unterredungen zu führen war niemals erholsam und erforderte stattdessen allergrößte Wachsamkeit. Shens schräg stehende schwarze Augen musterten ein vierbeiniges Kerbtier, das gerade einen Ast direkt über ihm erklommen hatte. Die Betrachtung des Tieres verhalf ihm zu der Ruhe und Konzentration, die er brauchen würde, um unter den strengen Blicken der Herrin und Führerin des Hauses der Schriften nicht die Fassung zu verlieren. Er war groß, etwa 190 cm, und dabei sehr sehnig und schlank. Man hätte ihn auf der Erde als einen sehr schlanken Mongolen ausgeben können, was Körpergröße und Gesichtszüge anging, wobei er sich meistens darum bemühte, dieselben so ausdruckslos wie möglich unter Kontrolle zu halten.

Sahalen war Mitglied im Rat der jungen Mütter, was in dieser Welt eine steile politische Karriere bedeutet hatte. Wie in einer matriarchalischen Gesellschaft nicht anders denkbar, glaubte sie von ihrem einzigen Sohn nicht nur Respekt, sondern auch Gehorsam erwarten zu dürfen. Doch an letzterem ließ es der Sohn trotz aller formellen Wohlerzogenheit manchmal fehlen. Zumindest wusste Shen, dass dies ihre Meinung war, als ob er nicht schon seit langem volljährig wäre und auch sein Abschluss an der High-Psi- Schule nun schon genügend Jahre zurück läge.
Shen fühlte sich bei seinem etwa 45 Erdenjahren entsprechendem Alter durchaus in der Lage, für sich selbst zu entscheiden, doch wann galt man auf Shedir schon als „reif“? Bei einer Spezies mit über 140-jähriger Lebenserwartung war das nicht abzusehen. Also wappnete er sich innerlich mit Geduld und richtete seinen Blick auf einen unbestimmten Punkt in der Ferne. Er wusste nicht genau, was seine Mutter ihm sagen würde, aber es war selten etwas Erfreuliches.
Außerdem wusste er, dass seine Augen ihn verraten könnten, und daher wandte er instinktiv eine lang erprobte Technik an. Diese Augen waren vielleicht seine größte Schwäche. Sie hätten schwarz sein müssen oder dunkelblau, wie bei allen Aschgarern, aber seine wirkten nur auf den ersten Blick schwarz. Bei genauerem Hinsehen waren sie dunkelgrau und changierten ihre Farbe in nahezu allen denkbaren Nuancen, je nach Gemütsregung. Wenn es stimmte, und es gab keine medizinischen Zweifel an der Aussage, dass die Augen der Spiegel des Geistes sind, dann waren Shens Augen der Spiegel seiner Seele. Und das in einer Welt, in der man seine Umwelt weder mit seinen Gedanken noch seinen Gefühlen belastete. Schon als Kind hatte Shen daher gelernt, vor seinem inneren Auge jenen farblosen Schirm herzustellen, auf dem man in der High-Psi-Schule lernt, telepathische Bilder zu empfangen. Die Konzentration genügte zumeist, alle Empfindungen auszublenden und den Augen jenen unbewegten schwarzen Glanz zu verleihen, den man für unerschütterliche Ruhe halten konnte.

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