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Ernst Göpel
Eine angstvolle dunkle Zeit
Die Hexenverbrechen

Hardcover Januar 2020
168 Seiten | ca. 19,0 x 27,0 cm
ISBN: 978-3-96014-657-5


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€ 21.90 *
Die Hexenverfolgungen zogen sich wie eine giftige dunkle Wolke über Europa. In der frühen Neuzeit brachten sie Angst und Tod. Der Autor schildert am Beispiel der nassauischen Grafschaften das blutige Wirken der Hexengerichte. Die Pein der Menschen bis in die Gerichtsverhandlungen.
Die Täter werden genannt. Auch die Menschen, die das Geschehen vielleicht hätten verhindern können, das bis zu den schlimmen Exzessen in den geistlichen Herrschaftsgebieten führte. Neben den Tätern werden auch die erkennbar, die tapfer gegen den abstrusen Unsinn ankämpften.
Die Ausbreitung der Hexenverbrechen in Mittel- und Nordeuropa wird geschildert, schließlich das Abessen der tödlichen Verbrechen unter tapferer Gegenwehr von Ärzten, Geistlichen und auch Soldaten.
Der 26. November 1658 war sicher ein trüber und unwirtlicher Tag mit Schnee und Regen wie der 26. November 2018, 340 Jahre später. Vielleicht aber noch düsterer und naßkälter – es war ja noch die langsam auslaufende Kleine Eiszeit. Sie hatte um 1580 beginnend wirtschaftliche Not und Hungerphasen gebracht, verstärkt mit dem Aufkommen des Frühkapitalismus der Fugger und Welser, die dem Kaiser als Finanziers, und da sie streng katholisch waren, auch dem Papst in Rom dienten. Diese Milliardäre sollten sich später auch in den Hexenverfolgungen, auch mit Feuer und Schwert, im Augsburger Land beteiligen. Nach dem vernünftigen Augsburger Religionsfrieden 1555 kam es schließlich wieder zu konfessionellen Auseinandersetzungen bis zur Gegenreformation hin, die schließlich in den Dreißigjährigen Krieg mit der Verwüstung ganz Deutschlands und seiner politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zerstörung mündeten.

An diesem 26. November 1658 wurden einfache Menschen bäuerlicher Herkunft aus dem mittlerweile zum Dorf herabgesunkenen Flecken und einstigen Städtchen Merenberg, deutlich verarmt in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, zweieinhalb Meilen von Weilburg entfernt, lebendig wegen Hexerei verbrannt: MARGARETHE BECK(hardt), geborene Bruder, Tochter des Ehepaares Bruder, MAGDALENE BRUDER und AMALEYE MOHR, erst einmal.

Margarethe Beck(hardt) war die etwa 1633 geborene einzige Tochter des Ehepaares Caspar und Magdalene Bruder, die 1652 den Christian Beck geheiratet hatte. Sie starb nach Anklage wegen Hexerei am 21. Oktober im Feuer am 24. November 1658.
Ihre Mutter Magdalene Bruder wurde am 25. Oktober als Hexe angeklagt und am 24. November wie ihre Tochter, diesmal mit dem Schwert in Weilburg hingerichtet. Warum mit dem Schwert? Der Grund bleibt unklar.

AMALEYE MOHR, Ehefrau von Johann Mohr, der wohl um 1657 in fortgeschrittenem Alter und sehr arm verstorben war. Sie war sicher über 59 Jahre alt. Amaleye Mohr war bei den Hexenverhören sehr renitent und leugnete zuerst die unsinnigen dummen Anklagen, sie war sicher sehr tapfer und für den Ankläger ein schwerer Brocken. Er musste sie wohl sehr hart angehen, bis er das für die Verbrennung erforderliche Geständnis erreicht hatte. Glühende Zangen kamen zur Anwendung bis die sehr tapfere Frau schließlich resignierte. Dann wurde sie verbrannt.
Das Ehepaar hatte wahrscheinlich zwei Buben, Johann Eberhardt, um 1630 geboren, und Thönges, um 1638 geboren. Eberhardt heiratete eine Katharina nach Hasselbach und hatte zwei Kinder, Thönges heiratete ebenfalls eine Catharina aus Hattingen und hatte fünf Kinder. Diese hatten zahlreiche Nachkommen.

Der vierte Merenberger, CASPAR BRUDER, der Ehemann der Magdalene, hatte sich am Tag vorher nach seiner Verurteilung zum Feuer aus dem ersten Stock des alten Weilburger Rathauses in den Löschteich und Viehtränke, die Weede*, in den Tod gestürzt.
Auch er wurde nachträglich verbrannt, nachdem man ihn tot auf einer Kuhhaut mit dem Gesicht zur Erde aus dem Kirchhofstor*, in der jetzigen Vorstadt. auf den Richtplatz geschleift hatte, hinter den zum Feuertod Verurteilten. Die spätere Verscharrung der Asche, man kann ja nicht von Beerdigung sprechen, fand dann in der Nähe auf dem Galgenplatz auf dem später so genannten Hexenkirchhof statt.
Die Verurteilten, dann wegen des crimen exceptum*, also einem besonders schweren Verbrechen wie der Hexerei, aus der Kirche ausgestoßenen, durften nicht innerhalb der regulären Kirchhofsmauern beerdigt werden.

Die lebendige Verbrennung der meist weiblichen Hexen fand in einem aus Reisern gestellten optischen Schutz statt. Es fanden sich ja zahlreiche Zuschauer ein, die die nackten gequälten Frauen aus Schamgründen nicht ansehen sollten.
Möglicherweise war das dem verquasten Denken der Geistlichkeit geschuldet, die bei solchen Geschehnissen stets anwesend war. Auch die Namen dieser protestantischen Pfarrer sind bekannt. Das waren in Weillburg die Pfarrer Johann Caspar Georgi von 1638- 1668 und Johann Fresch von 1638-1660. Der Merenberger Pfarrer hieß Reinhardi und amtierte ähnlich lange in Allendorf und Merenberg. Er amtierte wohl aus familiären Gründen in Allendorf, war aber auch gleichzeitig Schulmeister in Merenberg und Allendorf. Er hatte einen Vertreter, Kaplan genannt, der auch Schule hielt, im Flecken Merenberg und im kleineren benachbarten Allendorf. Sie alle waren so über viele Jahre als Geistliche in Merenberg, Allendorf, Reichenborn und Weilburg tätig gewesen.
Sie hatten diese Menschen wohl als Säuglinge über das Taufbecken gehalten, sie hatten sie später konfirmiert, und nun sahen sie diese ihnen doch vertrauten Menschen in diesen grausamen Tod gehen. Was haben sie gedacht?

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