Herbert Fritsche
Die unbekannten Gesundheiten
2. Auflage
Taschenbuch Januar 2026
172 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-240-5
Die unbekannten Gesundheiten
2. Auflage
Taschenbuch Januar 2026
172 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-240-5
In den Unbekannten Gesundheiten, schreibt Herbert Fritsche: „Krankheiten gibt es nur im Sprachgebrauch, in der Wirklichkeit gibt es nur Kranke“ und er fährt fort: „Gesunde, gibt es aber, genau umgekehrt, ebenfalls nur im Sprachgebrauch, in der Wirklichkeit gibt es nur Gesundheiten, zu denen die Menschen unterwegs sind, jeder auf seinem Wege. [...] Die Wirklichkeit der Lebewesen ist ihr Werdeziel.“ Das ist eine der Zentralaussagen Fritsches, die er zu belegen weiß. Und wenn er in seiner Iatropsophia, die Wirklichkeit nochmals von einer anderen Seite aus beleuchtet und sagt: „Die Wirklichkeit ist das, worin jeweils gewirkt wird“, wissen wir, wie ernst es ihm damit ist. „Ist es uns einmal klar geworden, dass wir Mittelpunkt eines sinnhaften, enträtselbaren Geschehens sind [...], spüren wir bald die heilige Pflicht, uns überall und immer der Offenbarungen würdig zu erweisen, die nicht nur aus den Signaturen der Dinge, sondern auch aus denen der Ereignisse leuchten.“
Was uns Fritsche hier mit diesen beiden Schriften, die gewissermaßen eins sind und zusammengehören, mit auf den Weg gibt, erschließt uns eine tiefere Sicht der Wirklichkeiten.
Was uns Fritsche hier mit diesen beiden Schriften, die gewissermaßen eins sind und zusammengehören, mit auf den Weg gibt, erschließt uns eine tiefere Sicht der Wirklichkeiten.
Der Geist kann gesundheitlich ein weit maßgeblicherer Faktor sein als der Mittags- und Abendbrottisch. Das wird am oben skizzierten Problem der Lues deutlich. Weshalb gerade das Nervenzentralsystem bei uns Abendländern von den Spätfolgen der Lues heimgesucht wird – bis zur „Enthirnung“ –, hat der Neurologe Armin Müller in mehreren Büchern dargestellt: der „Erkenntnispol“ soll die Kontrolle über den „Erlebnispol“ behalten, soll dem Eros Richtung und Tiefe geben. Versagt er bei dieser Aufgabe und lässt eine Anarchie des „Erlebnispoles“ zu – was bis vor kurzem oft genug zu luetischen Infektionen führte –‚ so wird der „Erkenntnispol“ zur Rechenschaft gezogen. Was hier nur angedeutet werden kann, führt Armin Müller gründlich und zugleich ärztlich-wissenschaftlich unantastbar als Beispiel für das Teleologische, das gezielt Sinnvolle im Krankheitsgeschehen aus – gezielt sinnvoll nun nicht mehr biologischen, sondern im, wenn man so will, ethischen Sinn. Jedoch der Geist des Menschen unserer Tage hat – man mag das beklagen oder begrüßen, konstatieren muss man es in jedem Falle – zum Eros ein freieres Verhältnis gewonnen als die Generation, die, wenn sie in erotische Anarchie abglitt, Cerebralparalysen schlimmster Art riskierte. Hängt es damit zusammen, dass seit den zwanziger Jahren die Metalues milder verläuft und dass heute die Lues nahezu ausgestorben ist? Verfügt der abendländische Mensch heute über eine Gesundheit, die dem „Erkenntnispol“ gestattet, aus der Odyssee des „Erlebnispoles“ kein Sittendrama im Sudermann-Stil mehr machen zu brauchen? Hatte die „Enthirnung“ durch die Cerebralparalyse ihren von Armin Müller aufgezeigten Sinn, so muss die Tatsache, dass die Paralyse heute mild verläuft und das ihr zugrundeliegende Krankheitsgeschehen überhaupt von der pathologischen Bildfläche verschwindet, ebenfalls einen Sinn haben.
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