Michael-Alexander Lauter
Der verschwundene Jugendklub
Softcover Februar 2023
78 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-949240-30-0
Der verschwundene Jugendklub
Softcover Februar 2023
78 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-949240-30-0
Auf der Suche nach seinem Jugendklub in Torgau begibt sich Sascha an die Orte, die er aus den 70er Jahren kannte. Dabei trifft er auf Spuren aus längst vergangenen Zeiten, begegnet Leuten von damals, leben Geschichten wieder auf.
Geschichten von jungen Leuten, die sich ihre Freizeit selbst gestalteten. Die ihren Klub gründeten, unbekümmert und unbeschwert die Tücken des Alltags meisterten, und so über sich hinauswuchsen. Sie verbrachten viel Zeit in ihrem Klub, trafen auf Menschen, die Verständnis für sie hatten, und auch auf solche, denen ihr Tun ein Dorn im Auge war. Der Klub hatte Krisen zu überstehen, bekam einen eigenen Raum und schließlich auch einen neuen Namen. Trotz massiver Widerstände von oben wurde aus dem Jugendklub des Wohnbezirks XII mit Hilfe der kubanischen Botschaft der Jugendklub „Ernesto Che Guevara“.
Noch ehe die DDR unterging, verschwand der Klub.
Geschichten von jungen Leuten, die sich ihre Freizeit selbst gestalteten. Die ihren Klub gründeten, unbekümmert und unbeschwert die Tücken des Alltags meisterten, und so über sich hinauswuchsen. Sie verbrachten viel Zeit in ihrem Klub, trafen auf Menschen, die Verständnis für sie hatten, und auch auf solche, denen ihr Tun ein Dorn im Auge war. Der Klub hatte Krisen zu überstehen, bekam einen eigenen Raum und schließlich auch einen neuen Namen. Trotz massiver Widerstände von oben wurde aus dem Jugendklub des Wohnbezirks XII mit Hilfe der kubanischen Botschaft der Jugendklub „Ernesto Che Guevara“.
Noch ehe die DDR unterging, verschwand der Klub.
Es sollte nicht der einzige Besuch in der kubanischen Botschaft bleiben. Wieder hielt es Sascha nicht aus, als er eines Tages erneut eine Einladung erhielt. Ernesto Che Guevara wäre im Juni 50 Jahre alt geworden, für die Botschaft ein Grund einzuladen. Sofort begab er sich in den Klub. Er schwenkte die Einladung über seinem Kopf: „Wir sind wieder eingeladen worden.“ Erstaunen in der Runde, aber es war nicht mehr so ein großer Zauber wie beim ersten Mal. Die Jungen waren etwas neidisch, diesmal sollte doch ein Mädchen mit nach Berlin fahren. Dass Sascha fahren würde, war für alle selbstverständlich, er war der Klubvorsitzende. Aber wen würde er diesmal mitnehmen. Sascha hatte sich längst entschieden, er würde Lorita vorschlagen. Sie war ihm eine große Stütze im Klub und er konnte sich auf sie immer verlassen. Die Klubmitglieder waren einverstanden, besonders die Jungen mochten sie sehr und auch Sascha verehrte sie. Loritas dunkle Augen strahlten, sie müsse aber erst noch ihre Eltern fragen.
Am nächsten Tag stand fest: Lorita durfte mitkommen. Sascha setzte sich mit ihr an einen Tisch etwas abseits von den anderen. Sie besprachen, was jetzt alles zu machen sei. Da Sascha schon botschaftserfahren war, hatten sie ihre Vorbereitung schnell abgeschlossen, als Lorita ihn mit der Frage überraschte: „Was soll ich denn dort anziehen.“ Sascha zog die Augenbrauen hoch, auch das noch, dachte er, fragte aber, was sie da für ein Problem habe. „Zieht man da ein Kleid an?“ Sachsa musste lächeln und erinnerte sich an den vergangenen Besuch. Volker und er hätten doch legerer angezogen sein können, diesmal wird er sich nicht in einen Anzug hineinzwängen. Die Frauen aber, im Gegensatz zu den Kubanerinnen, kamen in gehobener Tagesbekleidung, manche in Hosen, im Kostüm oder Kleid. Es war April, nasskalt und entsprechend waren sie angekleidet. Diesmal jedoch war es Juni, sehr warm. Er schaute Lorita an, es war ein hübsches Mädchen, kleiner als er, dunkles halblanges gekräuseltes Haar umrahmte ein breites, exotisch anmutendes Gesicht. Sie hatte eine volle, warme Stimme und wenn sie über etwas erstaunt war, dann dehnte sie die Endsilbe besonders. Eine anmutige Erscheinung. In einem Kleid konnte er sich Lorita sehr gut vorstellen: „Soweit ich mich erinnere, ein Kleid würde gut passen.“ Sascha hatte sie schon in ihrem knöchellangen großgeblümten Kleid gesehen und sie sah darin hinreißend aus, da würde er doch Staat machen mit ihr. „Aber wenn ich dann die Einzige bin, die ein Kleid anhat, dann blamiere ich mich doch.“ Sascha war der Diskussion überdrüssig, er schlug ihr vor, sie solle lange Hosen anziehen, aber ihr Kleid mitnehmen. In der Botschaft könnten sie in den Festsaal hineinschauen, und wenn sie das Gefühl habe, das Kleid würde besser passen, dann könnte sie sich doch umziehen. Damit war sie einverstanden.
Schon auf dem Weg zur Botschaft, eine Gruppe Frauen vor ihnen in geschmackvollen Sommerkleidern. Auch in der Botschaft, die meisten Frauen in eleganten Kleidern. Lorita sah Sascha mit dankbarem Blick an und verschwand in der Toilette. Mit ihrem langen geblümten Kleid kam sie wieder heraus, ein Seitenschlitz gab den Blick auf ihre Beine frei und der Schnitt ließ einen tiefen Blick in ihren Busen zu. An Saschas Seite schwebte sie mehr als sie schritt in den Festsaal, schon auf dem Weg dahin bemerkte Sascha bewundernde Blicke. Sie galten aber nicht ihm. Im Festsaal angekommen, ein unhörbares Raunen, es schien als stockte für eine Sekunde die Musik, um dann umso werbender zum Tanz zu locken. Lorita zog alle Blicke auf sich, vor allem die der jungen Kubaner. Manuel, kaum größer als Sascha, schlank, kam mit bewundernden Augen auf Lorita zu, zauberte eine Rose hinter seinem Rücken hervor, steckte sie ihr ins Haar und bat um einen Tanz.
Auf einmal stand Lorita im Mittelpunkt, zunächst half ihr das Tanzen, ihre anfängliche Verlegenheit zu überspielen, dann aber genoss sie es, für diesen Abend die Ballkönigin zu sein. Tanz um Tanz wurde Lorita aufgefordert. Erst als die Kapelle ihre erste Pause einlegte, kamen Lorita und Sascha mit Manuel und den anderen kubanischen jungen Männern ins Gespräch. So erfuhren sie, dass es Studenten waren. Sie sprachen durchweg gut deutsch, sodass eine muntere Unterhaltung begann. Schnell wurden sie dabei mit Cuba Libre versorgt, nie blieben die Gläser leer, die Stimmung wurde immer ausgelassener. Großes Interesse zeigten sie an den Schilderungen, wie der Jugendklub arbeite, was die jungen Leute dort alles taten. Es war eine fröhliche Runde. Amüsiert beobachtete Sascha, wie die Kubaner um Loritas Gunst buhlten, am Ende blieb Manuel der Favorit. Doch auch Lorita und Sascha wollten viel über das kubanische Leben wissen. So gab es zwischen den Tanzrunden viel zu erzählen und öfter übertönte das Lachen aus der Runde den allgemeinen Festlärm. Es war ein wirklich vergnüglicher Abend, über dem sie die Zeit vergaßen. Schließlich sah Sascha auf die Uhr, da wurde ihm klar, heute würden sie nicht mehr nach Torgau zurückkommen. Manuel bemerkte den verzweifelten Blick, Sascha erklärte ihm die Situation. Sofort schlug Manuel vor: „Wir gehen in mein Studentenwohnheim, nehmen uns noch etwas zu trinken mit, können dort noch ein wenig feiern und dort könnt ihr auch übernachten.“ Sie begaben sich auf den Weg. Am Wohnheim angekommen, einem 21 geschossigen Haus, eröffnete ihnen Manuel, dass hier alles streng bewacht sei, es dürften nur Leute mit Studentenausweis hinein. Na, gute Lust, dachte sich Sascha. Manuel schlug vor, den Pförtner abzulenken und wir könnten dann an ihm vorbeischlüpfen. Lorita sah Sascha ängstlich an. „Komm schon, es wird gut gehen.“, sagte dieser und sie duckten sich. Während Manuel mit dem Wachmann sprach, kamen sie unentdeckt ins Wohnheim. Mit Manuel fuhren sie in die 15. Etage, gingen in sein Zimmer, Betten für beide waren noch frei. Zusammen machten sie den Tisch hübsch, die Flaschen Rum und Cola wurden herausgeholt und Becher fanden sich auch. So endete der Abend feuchtfröhlich. Manuel briet allen noch ein Spiegelei. Während er in der Küche war, sagte Lorita zu Sascha, er dürfe aber nicht vor ihr einschlafen, wer weiß, was sonst noch passiere. Sascha versprach es, sie müsse sich keine Sorgen machen. Auch nach dem Essen wurden sie noch nicht müde, es war schon nach Mitternacht und sie feierten weiter. Sascha saß auf dem oberen Bett, es waren Doppelstockbetten, Lorita auf dem unteren. Cuba Libre hat eine wunderbare Wirkung. Man kann lange munter bleiben, aber wenn das Maß, voll ist … Sascha konnte noch seine Beine ins Bett legen. Dann war das nächste, was er hörte, Loritas Stimme am frühen Morgen, als er die Augen aufmachte: „Du warst mir ja eine schöne Hilfe.“ Was in dieser Nacht noch geschah, bleibt ein Geheimnis.
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