Herbert Fritsche
Der Erstgeborene – Ein Bild des Menschen
2. Auflage
Taschenbuch Januar 2026
278 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-235-1
Der Erstgeborene – Ein Bild des Menschen
2. Auflage
Taschenbuch Januar 2026
278 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-235-1
Es gibt Aussagen, die sind zeitlos, weil sie über alle Zeit hinweg Gültigkeit besitzen. Was Herbert Fritsche in seinem „Erstgeborenen“ schon 1940 erstmalig zum Ausdruck brachte, gehört sicherlich dazu.
Es ist ein Buch, das nicht allein mit dem Verstande zu lesen ist. Aber wenn man sich mit seinem ganzen Wesen darauf einlässt, spürt man tief in sich: „Jetzt ist endlich all das stimmig, was stets den Eindruck von Unstimmigkeit erweckt hat, ohne dass man es genau zu begründen gewusst hätte.“
Mit seinen vielfach endgültigen Formulierungen räumt er auf mit all den vielen auf Kausalität beruhenden Weltbesichtigungen. Es gelingt ihm, unseren Blick auf das zu lenken, was dahintersteht und wirkt.
Ein mutiges Buch für mutige Menschen. Heute noch wichtiger denn einst.
Es ist ein Buch, das nicht allein mit dem Verstande zu lesen ist. Aber wenn man sich mit seinem ganzen Wesen darauf einlässt, spürt man tief in sich: „Jetzt ist endlich all das stimmig, was stets den Eindruck von Unstimmigkeit erweckt hat, ohne dass man es genau zu begründen gewusst hätte.“
Mit seinen vielfach endgültigen Formulierungen räumt er auf mit all den vielen auf Kausalität beruhenden Weltbesichtigungen. Es gelingt ihm, unseren Blick auf das zu lenken, was dahintersteht und wirkt.
Ein mutiges Buch für mutige Menschen. Heute noch wichtiger denn einst.
Im Anfang war der Atem. Das gilt für alles Lebendige. Als im All das erste Flöckchen Stoff zu atmen begann, war das Leben erschaffen. Seitdem ist der Atem der Zelle, der Zellstoffwechsel, das eigentliche Charakteristikum des Lebendigen. Jeder Versuch, das Protoplasma als einen Stoff des Lebens zu kennzeichnen, ist ein Fehlversuch, denn vom Stofflichen her ist das Protoplasma nicht zu fassen. Der Stoffwechsel erst kennzeichnet es. Wer das Protoplasma statisch auffasst, kennt es nicht. Es muss dynamisch betrachtet werden. Die lebendige Zelle ist kein Gegenstand, sondern ein Geschehen. Sie darf nicht im Raume allein, sie muss in der Zeit betrachtet und begriffen werden.
Das Geschehen, das ein Stoffgemisch ergreift, in Gang setzt und als das wahre Perpetuum mobile in unaufhörlichem Stoffwechsel erhält von der Urzeit bis in die fernste Erdenzunft, ist der Atem. Alles Lebendige hat mit dem Atem begonnen, auch der Mensch. Die den Atem an den Anfang setzende Menschwerdungs-Schilderung der Genesis besteht, biologisch gesehen, zu Recht. Der Atem ist älter als der Mensch.
So steht der Atem denn auch am Anfang des individuellen Menschenlebens. Schläft der Keim noch im Brutofen der Gebärmutter, von Wasser umspült – worin man einen keimesgeschichtlichen Hinweis auf die Menschwerdungsphase erblicken mag, die sich an den warmen Küsten der Braunkohlenzeit oder noch früherer Erdepochen abspielte –‚ so atmet der mütterliche Organismus für ihn. Ein Atemzug ist beim Geburtsakt der Beginn des selbständigen Daseins: der erste Schrei.
Auch dieser erste Schrei ist nur vom Stoffwechsel her verständlich. Die Lebensvorgänge im Neugeborenen belasten dessen Kreislauf sofort mit Kohlensäure, wenn die mütterliche, stellvertretende Atmung fortbleibt. Die Kohlensäure übt auf das im Nackenmark gelegene Atemzentrum des Zentralnervensystems einen Reiz aus, der den neuen Erdenbürger zum tiefen Luftholen veranlasst. Dabei spannen die sich hebenden Rippen die zuvor zusammengelegte Lunge wie einen Regenschirm auseinander, und von drunten her hilft das sich abflachende Zwerchfell mit – die Atmung setzt ein. Sie steht erst wieder still, wenn der Leib den Gesetzen der Stoffeswelt zurückgegeben wird – im Tode.
Von den mechanistisch-materialistischen Richtungen der Biologie – die man in diesem Zusammenhange lieber Thanatologie nennen sollte – wird die Anschauung propagiert, das Lebendige sei allein aus den Gesetzen der Stoffeswelt her deutbar. Der Tod der Lebewesen ist aber das eindeutige Experiment der Natur, dem Sterblichen zu offenbaren, wie ein Leib sich verhält, wenn er wirklich den Gesetzen der Stoffeswelt preisgegeben wird. Er verwest dann. Alles, was nach dem Tode mit dem Leib geschieht, ist stoffesweltliches Geschehen. Alles, was im Leben mit dem Leib geschieht, überhöht die stoffesweltlichen Gesetze durch ein gestaltschaffendes Walten, das den Stoffwechsel entfacht, im Atem wohnt.
Wenn wir nach Schöpferisch-Indifferentem, nach flutender Potenzenfülle im Leben suchen, so müssen wir vor allem anderen zum Atem gelangen. Der Atem, der älter ist als wir, gleitet durch unseren Leib wie durch ein Instrument, das er zum Klingen bringt, aber niemand weiß, woher er kommt und wohin er fährt. Er verbindet uns mit dem All auf eine ganz unmittelbare, bis zu einem gewissen Grade sogar stofflich fassbare Weise. Der geniale Carl Ludwig Schleich hat aus diesem Grunde die Lunge als eine Plazenta bezeichnet, die den Menschen mit der Weltmutter verbindet.
Der abendländische Erkenntnisweg führt vom Gewahrwerden zum Innewerden, der morgenländische schirmt sich gegen das Gewahrwerden ab, um allein durch Innewerden zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Das in präzise Formeln gebrachte System dieser morgenländischen Erkenntnismethodik sind die Yoga Sutras des Patanjali, die wahrscheinlich aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert stammen. Welche große Rolle im Yoga-System der Atem spielt, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist, dass nach der Enttäuschung, die die analytische Psychologie in der Seelenheilkunde zurückgelassen hat, dort eine deutliche Hinwendung zu den uralten Yoga-Methoden zu konstatieren ist. Das Wort von der Lunge als von der Plazenta, die uns mit der Weltenmutter verbindet, weist direkt in die altarische Welt der Veden hinüber, die sich der Inder jener frühen Zeiten schauend aus einem kontemplativ errungenen Yogawissen gestaltete.
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