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Uwe Gerngroß
Das Schreibkarussell
Eine Anthologie zum Thema kreatives Schreiben

Taschenbuch April 2014
150 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-86468-708-2


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Das Schreibkarussell ist das Ergebnis einer kreativen Zusammenarbeit der Mitglieder des Jugendliteraturzirkels Wolfen. Das Thema ist hierbei kreatives Schreiben. Nachwuchsautoren, aus der Region, sprechen über den Einfluss des Schreibens auf ihr Leben. Sie präsentieren ihre Texte als lyrische Prosa, Gedichte und Geschichten.

http://uwegerngross.wixsite.com/literaturzirkel
Adina Heidenreich:

Wenn ich manchmal das Gefühl habe, meine sprunghaften Ideen fügen sich nicht zu einem Bild zusammen, fange ich eine von ihnen auf einem Blatt Papier ein. Da stehen dann ein paar Worte oder ein Satz oder zwei und mit einem Mal weiß ich genau, wohin sie mich führen oder aber ich erkenne, dass meine Gedanken sich verrannt haben. In einigen Fällen enthülle ich erst beim Schreiben, vielleicht auch erst danach, welche Bedeutung sich hinter dem Geschriebenen verbirgt und solange tappe ich selbst im Dunkeln darüber, welche Aussage am Ende bleibt.
An manchen Tagen bekomme ich jedoch gar keine Idee zu fassen und dann belasse ich sie einfach in meinem Kopf und stricke mir daraus eine eigene Geschichte, die sich so schnell verflüchtigt, dass man sie nicht auf Papier bannen kann.
Manchmal frage ich mich, wie viel von dem, was in einem Schriftsteller steckt, wirklich das Licht der Welt und die Augen eines Lesers erblickt.

Dörte Jäger:

Ich lese …

Ich lese nicht, ich tauche ein in die Welt zwischen den dünnen Papierseiten.
Ich gehe mit Gemma und Duncan von Scotland Yard auf Verbrecherjagd, treffe mich in Ankh Morpok mit Gevatter Tod zum Kaffee und erkunde mit den Hexen auf einem Besenritt die äußersten Winkel der Scheibenwelt.
Ich kämpfe in Mittelerde gegen Orks und ziehe als Gauklerin getarnt durch das mittelalterliche Süddeutschland.
Ich versuche im rauen Outback Australiens und in Paris um 1900 meinen Weg und Platz in der Gesellschaft zu finden.
Ich beobachte Oberon und die Elfen beim Feiern und kämpfe mich, augenzwinkernd, durch die englische Schrebergartenkultur.
Dieses und dergleichen mehr.
Ich erlebe Geschichten und Abenteuer, spannende und romantische, manchmal nachdenklich, manchmal skurril, manche auch unheimlich und mystisch.
Ich lache, weine, zweifle und freue mich, doch lesen, ….das tue ich nicht.


Toni Küttner:

Schreiben

Ich liege in der Wanne und will schreiben. Irgendwas Schreiben, einen Roman, ein Gedicht, eine kurze Geschichte oder eine Textaufgabe. Einfach nur was schreiben. Nur ein Geistesblitz fehlt noch, ein kleiner Gedanke der mich auf Ideen bringt und das geistige Eigentum aufs Papier kritzeln lässt lassen.
Ich will ein Werk verfassen, das seinesgleichen sucht. Ein monumentales Werk, eine Geschichte für die Ewigkeit. Ein Manifest, wo den Leuten ein Licht aufgeht, wo eine neue Weltordnung entsteht und alle zu mir aufblicken und ich sage dann nur „Alter, das hab ich in der Wanne geschrieben. Lass mich.“ Und dann sind die enttäuscht und gehen wieder nach Hause.
Aber so einfach wie ich das gerne hätte, ist das nicht. Die Gedanken sind frei, sagen manche Leute, und Arschlöcher schreiben das sogar an Tore. Nur sind die Gedanken eben nicht frei. Die Gedanken können ja nicht einfach so weggehen zu einem Gedankenaustausch und mit neuen Gedanken wiederkommen. Da müsste ich schon mitgehen, aber das will ich nicht. Ich will in meiner Wanne liegen und die Gedanken sollen sich jetzt selber mal einen Kopf machen, wie das hier weiter geht. Die sind ja sonst so eigen. Wenn dann mal welche kommen, dann nur nachts wenn man schon mit dem Kissen auf Augenhöhe ist und der Tag schon am Fußende neben den Hausschuhen liegt. Da formuliert sich gerne mal ein Geniestreich nach dem Anderen. Dann muss man das Licht anmachen, kurz warten bis die Punkte verschwinden und es aufschreiben, in der Hoffnung es am nächsten Tag noch entziffern zu können und noch gut zu finden. Man kann sich auch betrinken, dann kommen auch ganz viele tolle Sachen durch den Kopf, nur sind die am nächsten Tag immer Müll.
Mit Druck passiert hier gar nichts und ich lasse mich erst mal liegen und meine Gedanken durch die Gegend schweifen. Ich blicke an mir runter und schon hab ich eine Idee. Ich muss mehr Sport machen. Das geht jetzt in die falsche Richtung.

Ich könnte mir mal Gedanken machen, über was ich schreiben will:

Ich könnte über das Wetter schreiben. Wie der Sommer sich unter dem goldenen Laub des Herbstes verbirgt, uns in den letzten warmen Strahlen der Sonne noch einmal die Wärme spüren lässt, die wir nun so lange vermissen werden und nur wiederwillig gegen das fröhliche Kinderlachen im Neuschnee tauschen.

Ich könnte über Politik schreiben. Und die Jünger der Gewaltenteilung, die zwar wählbar sind, aber auch in gleichem Maße austauschbar. Und der Begriff Entscheidungsträger einen neuen Sinn bekommt, wenn eine Bande von grauen Anzügen im beinahe Rentenalter mit Dienstfahrer und Spesenkonto über Mindestlöhne und das Recht auf einen Kindergartenplatz entscheidet.

Ich könnte mich wiederholen, einfach was schreiben was ich schon mal geschrieben habe, nur ein wenig anders. Ich könnte was schreiben was ich schon mal geschrieben hab, wie eine Wiederholung, nur ein bisschen anders. Ich könnte eine Wiederholung schreiben, so wie etwas von mir schon mal Geschriebenes, nur minimal anders. Ich könnte das aber auch lassen.

Ich könnte etwas reimen.
Wie ein Wort über einen Platz.
Oder einen netten Satz über meinen Liebling.
Eine Zeile die ich mit Dir lese.
Ich find aber keinen Text, das ist wie verzaubert.

Ich könnte über das Vorlesen schreiben. Wie man die Texte vor sich liegen hat, keine Ahnung was denn da nun steht und die Worte aus einem raus kommen, weil sie müssen und der Klang der eigenen Sprache ist nur noch ein Echo, das gegen die Buchstaben auf dem Papier kämpft und wenn sie kämpfen mischt sich das Echo in die Papierbuchstaben und dann ist man raus. Dann ist Ruhe und ohne das Echo gibt es nur noch Papier und da findet man sich auch wieder.

Ich könnte über das Schreiben schreiben. Da fällt mir nur nix ein.


Markus Digwa:

Kastanien

Kinderspiel im Herbstlaub
Kinderglück im leichten Lauf
Unbeschwertheit am kalten Fluss
Lachen im roten Abendsonnenschein
Knarrende Dielen des alten Hauses
Gespenster vor dem Fenster
Fantasie verschmolzen mit dem Sein
Nie fühlte man sich allein

Heute nur noch Erinnerung
und die Welt ist stumm
Nüchterner Alltag schläfert ein
Es wärmt nicht mehr der Sonne Schein
Verstaubt ist die Heiterkeit
Vergangen ist die Kinderzeit
Doch mein Sein bleibt mir erhalten
Auch heut' lass ich meine Fantasie walten

Sei noch einmal das unbeschwerte Kind,
dass im Herbstlaub die Kastanien sucht.
Komm! Eil' geschwind!
Sei nicht der, der auf das Leben flucht.


Laterne

Blau schimmert
der erstarrte See.
Rote Äste greifen
den fallenden Schnee.

Kaum ein Hauch
regt sich im Tal.
Das Leben scheint
so eisig fahl.

Die ferne Laterne,
das einzig warme Licht,
erreiche ich, Wanderer,
heute nicht.











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