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Herbert Fritsche
Briefe Band 3
Briefe an Freunde II

Taschenbuch Januar 2026
485 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-254-2


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€ 26.90 *
93 Briefe, zum Teil stark persönlich geprägt, haben Eingang in diesen Band gefunden, der zu Recht den Titel „Briefe an Freunde II“ trägt. Denn hier „spricht“ er überwiegend (bis auf einige Ausnahmen), seine wirklichen Freunde an, zu denen er über die Jahre hinweg eine echte und innige Beziehung entwickelt hatte. Stellvertretend seien hier genannt: Gerhard Nebel, Hans-Hasso von Veltheim-Ostrau, Lambert Binder, Helmut Klepzig. Sie und andere haben ihn über die unterschiedlichsten Wegstrecken seines Lebens begleitetet. In der „Ansprache“ an seine Freunde, ist die Sprache direkter, akzentuierter und unverblümter; leuchtet seine Fähigkeit des Wortwitzes, die Doppeldeutigkeit mancher Formulierungen ganz besonders auf. Er arbeitet mit Wortspielen, witzelt in seinem Berliner Jargon, verfällt kurz ins Platt oder andere regional- typische Redensarten, um arttypisch etwas auszudrücken und dadurch besser zu veranschaulichen. Hier ist er, der Herrenreiter auf dem edlen Pferde seiner Sprache, mit der er bewusst und gezielt zu spielen vermag, ganz in seinem Element.
Hinweis: Der Band heißt deswegen Briefe an Freunde II weil Ernst Klett 1970 bereits einen Briefband, genannt Briefe an Freunde (1), herausgebracht hat.
1. April 1940



Lieber Herr Binder,

haben Sie herzlichen Dank für die beiden Ex libris-Photos. Das von Meyrink besitzt für mich natürlich den Sammelwert aller persönlichen Dokumente Meyrinks, während ich das andere mit der Medusa unaussprechlich seltsam und wahrhaftig beängstigend finde. Es geht mir mit diesem Photo — das aus Ihrem Brief herausfiel und das ich vor der Lektüre des Briefes, also gänzlich unbeeinflusst, betrachtete — wie es mir zuweilen mit Gegenständen erging, auch mit Personen: Etwas anziehend Beängstigendes ist da, deutlich europäisch lokalisiert (nicht asiatisch, auch nicht voodooistisch oder atlantisch), etwas noch nicht weit Zurückliegendes, vielleicht gar Gegenwärtiges, das man fliehen sollte, wenn es nicht zugleich so herausfordernd betrachtenswert wäre. Wenigstens scheue ich mich, davor meditativ aufgeschlossen zu sitzen. Dieses Bild — und einige andere Dinge noch, über die wir einmal sprechen werden — repräsentiert eine Strömung, die es gibt und die man benennen könnte, wenn man ihr nachginge. Es hängt tief mit dem Geheimnis gewisser fieberhafter, kurzfristiger, vampyrisierender Krankheiten zusammen, auch mit dem Geheimnis einiger Genussgifte und vor allem einiger Lebensstil-Formen. Hier ist wohl, in solcher Strömung, auch der Quell des Schaffens von Edvard Munch zu suchen — und noch manches andere. Hoffentlich können wir einmal darüber mündlich sprechen.
"Zufällig" befindet sich unter den drei Sachen, die ich Ihnen senden kann, da meine Frau sie besitzt und wir sie nicht doppelt zu besitzen brauchen, auch der "Narrenkalender", den selbst ich nicht mehr hatte und der mir neulich beim Kramen in einer alten Mappe unversehens in die Hände fiel. Diesen "Narrenkalender" liebe ich noch immer — nicht wegen meiner wirren Verse, sondern wegen der genialen Zeichnungen meines Freundes Uhl. Kaum auszudenken, dass dieser begabte Kerl, von dem ich eine Fülle der herrlichsten Bilder und Graphiken besitze, eines Tages sein Gesamtwerk vernichtete (mit Ausnahme dessen, was in meinen Händen war) und, infolge des Impfstoffes, den Dr. Egon Ipse schildert, zum Heer ging, um heute dort schon jahrelang das Leben eines nichts-als-diesseitigen Offiziers zu führen — Gottes Wege sind wunderbar — und vielleicht treffen wir, Uhl und ich, uns doch noch einmal auf der letzten Chaussee wieder, die seine Oktoberzeichnung im "Narrenkalender" prophetisch vorwegnimmt (links ich, rechts er).
Das Buch, das ich jetzt schreibe, wird wohl die Trias "Pan", "Tierseele" und dann dieses eben abschließen. Danach geht es dann wieder mit vollen Segeln in den Ozean der okkulten Welt, vielleicht mit einem Vorpostengefecht zunächst.

Ich hätte große Sehnsucht, einmal mit Ihnen wieder irgendwo zu sitzen — denn Briefe sind ja immer nur Brieftauben, Gespräche aber sind Marabus, die weise mit dem Schnabel klappen, bald dies bald das andere Auge bedeutsam öffnen und zum Schluss gar noch mit den Flügeln schlagen, dass ein ganzer Wirbel entsteht.

Einstweilen also nehmen Sie mit dieser Brieftaube vorlieb,

die Ihnen herzliche Grüße übermittelt von Ihrem

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