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Herbert Fritsche
Briefe Band 2
Ärzteschriftwechsel

Taschenbuch Januar 2026
283 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-98913-253-5


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€ 20.90 *
In diesem 2. Briefband – betitelt: Ärzteschriftwechsel – setzt sich Herbert Fritsche überwiegend mit Ärzten und Heilpraktikern über die Thematik der Homöopathie auseinander. Dabei bleibt es nicht aus, dass er – als Vertreter der reinen Lehre – auch all das anprangert, was eben dieser zuwiderläuft. Und er geizt nicht mit klaren Worten, wenn er diese bedroht sieht. Die Briefe reichen zurück in die Zeit, in der Herbert Fritsche die Homöopathie für sich selbst entdeckt, münden in sein Erkennen der Homöopathia divina, und enden mit dem klaren Bekenntnis: „Ich glaube fest an die Zukunft der Homöopathie, ja an die Homöopathie als an die Zukunft (was meines Erachtens weit über nur Medizinisches hinausreichen wird).“ 60 Briefe, die das Auf und Ab der Homöopathie in Deutschland widerspiegeln, aber auch den (noch) immerwährenden Kampf zwischen Allopathie und Homöopathie beleuchten, deren Vertreter heute wie damals aktiv sind. Sie geben Einblick in sein Verständnis der Homöopathie, das verkürzt, auch so ausgedrückt werden kann: Das Schwache wird das Starke besiegen. Da sind wir mitten im Geheimnis der Homöopathie, die eben ein Ur- ist. Das hat keiner so zu verdeutlichen vermocht wie eben Herbert Fritsche, weil er das wirkende Wesen der Homöopathie, das weit über das nur Medizinische hinausreicht, als ein auf allen Ebenen gültiges Prinzip des Seins erkannt hat. Mögen diese Briefe dazu beitragen, uns für das geheime Leuchten dieser Homöopathie zu sensibilisieren.
22. Mai 1944



Lieber Herr Schlegel,

haben Sie von Herzen Dank für Ihren freundschaftlichen Brief vom 19. Mai, den ich sogleich Punkt um Punkt beantworten will:
1.) Die Stockschen Untersuchungen zum Thema chron. Quecksilbervergiftung und Amalgamfüllungen kenne ich nicht, weiß nur von der Tatsache, dass dieses Thema seit langem zur Diskussion steht. Alles positive Wissen zu dieser Frage fehlt mir, aber sie interessiert mich außerordentlich. Wenn Sie je etwas dazu publizieren, bitte lassen Sie es mich wissen!
2.) Dass Sie in meinem "Hahnemann" bereits gelesen haben und das Gelesene Ihre Zustimmung findet, freut mich ganz außerordentlich. Sie sind ja im Geiste weitgehend "Mitautor" gewesen, denn der lebendige Austausch mit Ihnen hat — wie der mit Buchinger, Gisevius, dem verstorbenen Otto Schmidt — entscheidend an meiner Liebe zur "Idee der Homöopathie" mitgewirkt. Ich will hier nicht all das wiederholen, was ich Ihnen in früheren Briefen bereits oftmals gesagt habe. Jedenfalls weiß ich im eigentlichen homöopathischen Lager außer Ihnen und den Genannten nur noch ganz wenige Persönlichkeiten, die lebendig und sinngemäß als Männer "unter dem Sternbild des Simile!" in Frage kommen. Ihre Aufsätze und Vorträge waren mir seit je stärkster Ansporn — und ich schrieb Ihnen ja bereits früher, dass es eigentlich in homöopathischen Dingen keinen Autor der Gegenwart gibt, bei dem mir jede Zeile, die er veröffentlicht, so sehr aus dem Herzen gesprochen ist wie bei Ihnen. Ich habe damals, 1937 in Berlin, die Gelegenheit des Ihnenvorgestelltwerdens (schönes Wort!) nicht benützt, um mit Ihnen näher bekanntzuwerden und Ihnen von meiner Freude an Ihrem Schaffen zu erzählen, weil ich damals als Journalist für das "Berliner Tageblatt" dort war und man dann leicht den Eindruck pressetüchtiger Vielgeschäftigkeit erweckt — der mir gerade in diesen mir wichtigsten und wertvollsten Bereichen immer besonders peinlich ist. Aber jener internationale Kongress hat — er war ein Lebenshöhepunkt für mich! — dennoch sonderbare Früchte getragen. Es hat sich von dorther vieles in meinem Leben Bedeutsame angeknüpft, so auch die Freundschaft zu Buchinger, die ja nun auch im äußeren Lebenslauf ihre Spuren hinterlassen hat. Dass einmal die Begegnung mit Ihnen zu guter Stunde kommen würde, war mir gewiss (so wie mir auch stets gewiss ist, dass die mir maßgeblich wichtige Literatur ganz von selber im richtigen Augenblick ins Haus kommt). Als Sie mir vor ca. 2 Jahren auf einen "Hippokrates"-Beitrag hin einen freundlichen Brief schrieben, war das wie ein längst vereinbartes Signal aus einer alten Verbundenheit.
3.) Mit meinem Verleger stehe ich nicht allzu gut, reichlich "sachlich". Er ist oft ausgesprochen ungefällig, beantwortet Briefe mit persönlichen Wünschen gar nicht oder abweisend usw. Daher ist es auch möglich, dass er meinen Wunsch, der "Hahnemannia"-Buchhandlung mögen 50 Expl. geliefert werden, davon 10 Stück für Sie persönlich, nicht berücksichtigt. Ich werde ihn aber heute dringend darum bitten, damit in Stuttgart, wo ja die bessere Homöopathie (im Gegensatz zu Leipzig) residiert, wenigstens einige Exemplare des Buches in einer geeigneten Buchhandlung zu haben sind. Wenn er also — was ich immerhin stark hoffe — diesen Wunsch erfüllt, dann lassen Sie sich von dem Buchhändler (der dann diese Lieferung ja Ihrer Anregung zu verdanken hat, während er sonst vermutlich höchstens 1 oder 2 Expl. erhalten hätte), auch auf jeden Fall 10 Stück geben.
Direkte Lieferungen an Privatadressen lehnt der Verlag ab, ich glaube, er darf wohl auch nur über den Buchhandel liefern. Ich selber habe mich auch auf die mir zustehenden (sehr knapp bemessenen) Exemplare beschränkt (20 Stück bei 10.000 Stück Auflage), weil ich aus bestimmten privaten Gründen kein Extra-Entgegenkommen des Verlages beanspruchen will, der z.B. bei der Total-Ausbombung unserer Wohnung und einem Verlust von mehr als 6.000 Büchern meine Bitte um Lieferung von 4 oder 5 seiner Verlagswerke glatt unbeantwortet ließ.
4.) Die vom Verlag beigelegte 3-teilige Karte eine reine Formalität. Sie können sie ganz wegwerfen, da sie Sie überhaupt nichts angeht, sondern von der Schriftleitung des "Hippokrates" an den Suhrkamp-Verlag gesandt werden sollte (d.h. die erste Karte, während die andern beiden nicht in Frage kommen und die mittlere nur dazu da ist, dem Referenten die Daten — Preis, Umfang, Format — des Buches zu nennen). Wenn Sie ganz korrekt sein wollen, dann schicken Sie bei Gelegenheit die oberste Karte zum Ausfüllen und Zurücksenden an Prof. Kunstmann, der sie versehentlich an Sie mitsandte; die mittlere behalten Sie selbst, um bei der Besprechung die genannten Daten für die bibliographische Angabe zur Verfügung zu halten; die dritte (die nur nötig ist, wenn man das Buch ablehnt) werfen Sie weg. Aber, wie gesagt, wenn Sie alle drei wegwerfen, macht das auch nichts.
Mit der Besprechung haben Sie so viel Zeit, wie Sie wollen. Zu quittieren brauchen Sie den Erhalt des Buches niemand. Die Quittierkarte betraf lediglich die "Hippokrates"-Schriftleitung, ist aber überhaupt nicht notwendig.
Wenn Sie mir — sofern es Ihre Zeit erlaubt — gelegentlich Ihre Einwände und Hinweise zukommen lassen, die Ihnen beim Lesen einfallen, bin ich sehr dankbar.
Herr Marquardt (Hippokrates-Vlg.) schrieb mir mehrfach, er wolle ein Buch von mir haben. Mein Emil-Schlegel-Brevier wächst langsam weiter. Wenn es fertig ist, sende ich es Ihnen und Ihren Brüdern zu — und wenn es Ihnen dann zu einer Veröffentlichung geeignet erscheint, wäre der Hippokrates-Verlag vielleicht der rechte. Nur habe ich dann über die evtl. Veröffentlichung nicht zu verfügen, da es sich um ein Buch handelt, dessen Autor ich nicht bin und über dessen Geschick allein die Söhne und Erben des Verfassers zu entscheiden haben.
Die Arbeit an diesem Brevier ist für mich eine Angelegenheit einmal eigenen, wertvollsten Studiums, zweitens des frohen Dienstes an der klassischen Homöopathie.
Herzliche Grüße und Wünsche und nicht minder herzlichen Dank für Ihre Anteilnahme an meinem Versuch, das Bild des alten Hahnemann zu zeichnen.

Ihr sehr ergebener
Herbert Fritsche




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