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Siegfried Frieseke
GLIBBER bis GRÄZIST


Taschenbuch Juli 2011
604 Seiten | ca. 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-943048-37-7


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Friedhelm lebt als kleiner städtischer Angestellter ganz seiner Privatbibliothek; Franz-Xaver hat für eine Affäre Kind und Karriere geopfert; Florestan ist Familienvater und Stardirigent geworden: 15 Jahre nach dem Abitur treffen die drei Schulfreunde wieder zusammen, um sich ihrer Biographie zu vergewissern. Ihre Gespräche bei Tisch und im Gehen drehen sich um Musik und Literatur, um den Marktwert der Bildung, um Frauen, Syntax und Südamerika, und am Ende auf dem Dach des Gymnasiums um nichts Geringeres als Gott und die Welt. Die Nostalgie des Wiedersehens hält den alten und neuen Ressentiments nicht lange stand, und je später der Abend, desto wunderlicher die Begegnungen: erst der leibhaftige Teufel in Begleitung eines Jack-Russell-Terriers, dann Leute wie Oberstudienrat H.-H. Lehmkuhl, die lilane Feministin und der Dingsda-Dirk. In einem unwirklichen Nachtclub verschwimmen die Grenzen zwischen Außen und Innen, Einst und Jetzt geraten durcheinander, und Dr. Franz-Xaver Schnepperling muss ganz nach unten, um wieder aufzukommen.
Friesekes 600-Seiten-Roman ist ein trinkfreudiger Textsortentumult, eine virtuose Hommage an die deutsche Sprache zwischen Schwulst und Werbeschwachsinn und ein mitternächtlicher Schwanengesang auf das absaufende Abendland. Im Preis enthalten sind ein epigonales Sonett, ein Striptease, ein Kapitel in alter Rechtschreibung, zwei hausgemachte Klavierlieder, eine früsische Schiller-Übersetzung und eine apokryphe Wildwest-Szene von Dr. Karl May.

Website zum Buch: www.glibber-bis-graezist.de.
Was hat er aus diesem Leben gemacht? Wie ist aus dem funkensprühenden Zukunftsstürmer der müde Vergangenheitsbewältiger geworden, dessen Lamento uns schon seit Hunderten schwerverdaulicher Seiten aufhält? Es ist noch nicht lange her, gerade mal MMMMM Tage, da standen ihm alle Wege zu den Sternen offen, und kaum ein Schulmann oder Professor, der nicht einen Nachfolger in ihm grüßte. Viel früher schon las Opa Gerhard mit Tränen im (linken) Auge und launigem Landsergepolter jedes seiner Zeugnisse und versprach sich von dem hellwachen Knaben Erneuerung und Ersatz einer abusierten Generation. Aber in den Gängen, die er heute nacht heimlich noch einmal durchbubt, versammelt sich bei Tage schon die nächste oder übernächste Generation. Er ist niemandes Hoffnungsträger mehr und kein Anwärter auf eine prangende Imago, sondern nur noch, der er ist – und das ist wenig genug, sind wir (wir Zaungäste dieser Klausurtagung) zu sagen versucht, auch wenn wir ihm den Vergleich mit erfolgreicheren Klassenkameraden wie Florestan Schuldheiß oder Manuela Bley, der dekorierten Doppelnull, taktvoll ersparen. [...] Warum kam seine Stunde nicht? Wer hat ihn um den Tag des Schlüpfens betrogen? Ach, wir bezweifeln (wenn uns eine solche Anmerkung zusteht), daß jedes Einserabitur eine Anweisung auf eine Kometenlaufbahn sei und ein gedeihliches Orakel schon einen Rechtsanspruch begründe... Wen einmal die Engel auf den Händen tragen, damit er seinen Fuß nicht an einen Stein stoße, darf der folgern, daß es ganz hoch hinauswolle mit ihm? Nur weil ein wildfremder Handlungsreisender dem Zehntkläßler, der im Intercity eine halbe Stunde lang den pädagogischen Schleifton Brigitte Koflers, den Überbiß des OStR Pichler und die Tics und Westmannsredensarten anderer kultusministerieller Alleinunterhalter imitiert hat, beim Aussteigen die Hand schüttelt mit den Worten »Vous êtes un génie!«, das muß nicht unbedingt de tripode gesprochen sein. Doch wäre es auch nur ein trügerisches lokales Maximum gewesen, von dem er damals in die umliegenden Täler hinabblickte, Graph F von X, und sah nicht die himmelaufragenden Firner in größerer Ferne – daß sich dieses Universum für jeden Beobachter so ausgenommen habe wie für ihn, das ist auch wieder nicht croyabel. Nein, er saß dem Glück schon eine gute Weil im Schoße, und wir fragen uns mit Fug und Recht, welche Faktoren zum Niedergang des Egoisten Faxer führten.

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